Warum George Soros Investitionen in China kritisiert

Der Finanzinvestor und Mäzen George Soros hat Larry Fink und die von ihm geführte Vermögensanlagegesellschaft Black­Rock scharf für ihre China-Pläne kritisiert. Soros sieht eine Gefahr darin, dass BlackRock, mit rund 8 Billionen Dollar Anlagevermögen der größte Vermögensverwalter der Welt, viel Geld nach China bringt und damit den Staatschef Xi Jinping und dessen zunehmend repressive Politik stützt. BlackRocks Engagement schade den Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten, schrieb Soros in einem Beitrag für das Wall Street Journal.

Tatsächlich soll China zu einem neuen Anlagefokus von BlackRock werden. Der amerikanische Vermögensverwalter ist der erste ausländische Anleger, der von der chinesischen Regierung die Lizenz erhalten hat, eine Fondsgesellschaft in China zu betreiben, die mehrheitlich in ihrem Besitz ist. Das soll ihr den Zugang zu privaten Anlegern öffnen. Zudem wirbt Black­Rock dafür, dass Investoren China deutlich stärker in ihren Portfolios gewichten. Das Land sei kein Schwellenland mehr und verdiene damit deutlich höhere Aufmerksamkeit global orientierter Anleger, argumentiert der Vermögensverwalter. Larry Fink selbst schrieb im Frühjahr in seinem jährlichen Anleger-Brief: „Viele unsrer globalen Kunden schauen auf BlackRock, um ihnen zu helfen, in diesem Markt zu investieren in die Ertragschancen und Diversifizierungsmöglichkeiten, die chinesische Anlageprodukte bieten.“ Laut BlackRock sind nur 3 Prozent der chinesischen Aktien und Anleihen in ausländischer Hand. Die Öffnung des Marktes für Finanzprodukte war im amerikanisch-chinesischen Handelsabkommen vereinbart worden.


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Soros argumentiert, dass Investitionen in China in der Vergangenheit vielleicht moralisch gerechtfertigt gewesen seien mit der Begründung, die Anleger bildeten Brücken, um die Länder enger zusammenzubringen. Doch heute sei die Lage komplett anders: China und die Vereinigten Staaten engagierten sich in einem bedrohlichen Konflikt zwischen einem repressiven und einem demokratischen System. Wer Geld in China investiere, der helfe Xis Regime, das die eigene Bevölkerung unterdrücke und international aggressiv auftrete. Soros forderte im Beitrag den Kongress auf, mit neuen Gesetzen den Geldfluss nach China zu limitieren. Der Gründer der Demokratiestiftung Open Society ließ den Einwand, dass BlackRock nur in private chinesische Firmen investiere, nicht gelten. Das Regime betrachte alle Unternehmen, ob staatlich oder privat, als Instrumente seiner Politik.

Soros erinnerte daran, dass die Regierung in jüngster Zeit Aktienausgaben von Alibaba verhindert habe und gegen den chinesischen Uber-Klon DiDi disziplinarische Maßnahmen eingeleitet habe. Nach Soros’ Deutung versucht Xi Mittel für einen drohenden Machtkampf im kommenden Jahr zu bündeln. Dann wolle er sich als Führer auf Lebenszeit etablieren. Westliche Anleger sollten ihm dabei nicht helfen.


Quellverweis — www.faz.net

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