Klimaschutz: Banken versprechen zu viel


Die Vorstandschefs der großen Finanzkonzerne scheinen Kreide gefressen zu haben: Den Klimaschutz haben sie sich seit Längerem auf die Fahnen geschrieben. Doch so groß das Marketingrad ist, das Banken und Fondsgesellschaften mit nachhaltigen Anlagen drehen, es hapert in der Umsetzung. Darauf verweist eine am Montag veröffentlichte Studie der Nichtregierungsorganisation ShareAction, die sich verantwortungsbewussten Finanzanlagen verschrieben hat und der wiederum andere prominente Initiativen wie zum Beispiel Greenpeace, World Wildlife Fund, Amnesty International oder Oxfam angehören.

Es gebe erhebliche Unterschiede zwischen den führenden Instituten und den Nachzüglern in jeder relevanten Kategorie für den Klima- und Umweltschutz, sagte Xavier Lerin, Bankenfachmann und einer der Studienautoren. ShareAction, eine gemeinnützige Organisation, hat die führenden europäischen Banken in acht Bereichen untersucht, darunter Klimaziele, Transparenz über Emissionen, Ausschlüsse bestimmter Sektoren wie zum Beispiel Kohle und Öl sowie Schutz der Biodiversität.

20 von 25 untersuchten europäischen Großbanken hätten sich dazu verpflichtet, die CO2-Emissionen aus ihren Portfolios bis spätestens im Jahr 2050 auf netto null zu senken. Aber nur wenige hätten schon konkrete Maßnahmen ergriffen, um dieses Ziel zu erreichen. Die ShareAction-Studie hebt die britischen Banken Lloyds und NatWest sowie die skandinavische Nordea-Gruppe hervor, die sich verpflichtet haben, bis zum Jahr 2030 die von ihnen finanzierten Emissionen zu halbieren, um sicherzustellen, auf dem Weg zu ihrem Netto-Null-Ziel 2050 zu sein.

Acht der 25 geprüften Banken hätten sich Zwischenziele für die Sektoren gesetzt, die besonders stark auf CO2-Emissionen angewiesen sind. Doch nur Barclays, Crédit Agricole und NatWest würden Instrumente einsetzen, die ihnen Auskunft darüber geben, dass ihre Ziele schon jetzt zu einer Verringerung der Emissionen führten.

Deutsche Banken hinken hinterher

Wenig Positives berichtet die Studie über die deutschen Institute Deutsche Bank, DZ Bank und Commerzbank. Sie hätten bislang keine konkreten Schritte unternommen, um die von ihnen finanzierten Emissionen bis 2030 zu halbieren und wie angekündigt bis 2050 klimaneutral zu sein. Keines der drei deutschen Institute habe sich ein Enddatum für die Finanzierung von Kohleförderung und -verstromung gesetzt. Sie hätten keine Ziele zur Beendigung der Finanzierung neuer fossiler Energieprojekte, obwohl nach Ansicht der Internationalen Energieagentur (IEA) für die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad keine neuen fossilen Energieprojekte entwickelt werden dürfen.

Die Banken schränken der Studie zufolge lediglich bestimmte Formen der unkonventionellen Brennstoffförderung ein. Da Biomasse bei der Verbrennung sogar mehr Kohlendioxid freisetze als Kohle, sollten Banken ihre Finanzierung des Biomasse-Sektors überdenken, fordert ShareAction in dem Bericht.

Auch mit der Vergütung der Spitzenkräfte geht die Studie ins Gericht: Zwar seien einzelne Bestandteile an bestimmte nachhaltige Kennzahlen gekoppelt, doch diese Kennzahlen hätten kaum Bedeutung für die allgemeinen Auswirkungen der Geschäftspolitik der Bank auf den Klimawandel.


Quellverweis — www.faz.net

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