Wie Mittelständler Kreditplattformen nutzen

Die meisten Mittelständler greifen in Finanzierungsfragen immer noch auf ihre Hausbank zurück. Die Nutzung von Online-Kreditplattformen, über die Finanzierungsangebote verschiedener Anbieter bezogen werden können, gewinnt zwar an Bedeutung,  bleibt aber weiterhin  die Ausnahme, wie eine Untersuchung der staatlichen Förderbank KfW ergeben hat, die der F.A.Z. exklusiv vorliegt. Demnach gaben in der regelmäßig durchgeführten Befragung von 15.000 mittelständischen Unternehmen  im vergangenen Jahr 9 Prozent der Befragten an, dass sie solche Plattformen als alternative Finanzierungsmöglichkeit in Betracht ziehen wollten. Nur 2 Prozent sagten, dass sie die Nutzung „sicher vorgesehen“ hätten. 

In den zwei Jahren vor der Befragung 2018 und 2019 hatten  den Angaben zufolge 77.000 kleine und mittelgroße Unternehmen Kredite im Wert von insgesamt  3,44 Milliarden Euro über die neuen Plattformen aufgenommen. Was in absoluten Zahlen recht viel klingt, entspricht auf dem gesamten Markt  mittelständischer Investitionskredite nach Angaben der KfW-Autoren noch dem überschaubaren Anteil von 2 Prozent.  Noch kleiner werde der Anteil, wenn man  Betriebsmittelkredite hinzurechne, deren  Gesamtvolumen  aber schwer abzugrenzen sei, heben  die Studien-Autoren hervor. 

Schnell und unbürokratisch 

Offenbar nutzen aber viele Mittelständler die Plattformen  vor allem, um sich schnell und unbürokratisch kleinere Summen zu leihen. Das spricht nach Angaben der KfW-Autoren dafür, dass sie damit vor allem kurzfristig Betriebsmittel finanzieren. Mit Blick auf die Kreditsummen stellen die Förderbanker fest, dass über die Plattformen vergleichsweise kleine Beträge aufgenommen werden. Die durchschnittliche Finanzierungssumme in diesem Zeitraum betrug 58.000 Euro, die Hälfte aller Finanzierungen habe aber nicht mehr als  30.000 Euro  umfasst (Medianwert). Gemäß dem KfW-Mittelstandspanel betrug das mittlere Volumen der neu zur Investitionsfinanzierung aufgenommenen Bankkredite dagegen  167.000 Euro. 

Die Vor- und Nachteile der digitalen Anbieter gegenüber einer klassischen Hausbankfinanzierung sind den Unternehmen nach klar verteilt: Vor allem die Geschwindigkeit bis zur Finanzierungszusage und den  geringen Antragsaufwand geben die Unternehmen als  Pluspunkte der Kreditplattformen an. Als Nachteile bewerten sie den Mangel an persönlicher Erreichbarkeit. Hier zeigt sich den Studienautoren zufolge einmal mehr die enorme Verbundenheit des Mittelstands zu oftmals langfristig bestehenden Bankbeziehungen, die nicht selten mit  persönlichen Beziehungen zu den Bankmitarbeitern gepaart seien. Vertrauen zum Finanzierungspartner ist vielen der kleinen und mittelgroßen Unternehmen wichtig.

Auswirkungen der Corona-Krise

Allerdings heben die KfW-Autoren auch hervor, dass die Corona-Krise die Bedeutung der Kreditplattformen in den vergangenen eineinhalb Jahren deutlich gesteigert haben  könnte. Schließlich seien viele Bankfilialen wegen der Pandemie zeitweise geschlossen gewesen, sodass auch traditionsbewusste Unternehmer stärker auf die digitalen Kommunikationswege ausweichen mussten.  Anbieter digitaler Finanzdienstleistungen wie Online-Kreditplattformen könnten von dieser Entwicklung zukünftig profitieren, heißt es in der Studie.


Quellverweis — www.faz.net

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