So legen die Notenbanker ihr Geld an

Ziemlich versteckt auf ihrer Internetseite, aber gleichwohl öffentlich berichtet die Europäische Zentralbank einmal im Jahr über ein interessantes Thema: Was machen Europas oberste Notenbanker eigentlich mit ihrem privaten Geld? Mit der Veröffentlichung der Depots aller 25 Mitglieder des EZB-Rats soll möglichen Kritikern der Wind aus den Segeln genommen werden, die argwöhnen könnten, die Notenbanker zockten heimlich mit Aktien und Anleihen auf ihre eigenen geldpolitischen Beschlüsse. Oder aber sie beließen beispielsweise die Zinsen nur deshalb so niedrig, um ihren verdeckten privaten Investments im Immobiliensektor den nötigen Rückenwind zu verleihen.

Die diesjährige Liste zeigt eine breite Spanne an unterschiedlichen Anleger-Typen im EZB-Rat. Da gibt es den konservativen, vorsichtigen Sparer: Das Depot von Bundesbankpräsident Jens Weidmann beispielsweise ist recht überschaubar, es beschränkt sich auf zwei börsengehandelte Indexfonds (ETF): einen auf den deutschen Aktienindex Dax von der DWS-Marke Xtrackers mit den 30 hiesigen Standardaktien – und einen auf den MSCI World mit Aktien aus aller Welt.

Schnabel war beim Krisengewinner Zoom dabei

Deutlich spannender fällt da die Wertpapier-Sammlung von EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel aus. Ihre Aufstellung weist 44 verschiedene Aktien und Investmentfonds auf: Darunter Fonds mit einer speziellen Dividendenstrategie wie der DWS Top Dividende. Aber auch die Aktien der wichtigsten internationalen Techunternehmen sind vertreten, wie Apple, der Google-Mutterkonzern Alphabet, Microsoft und Amazon. Frühzeitig hat die Ökonomin offenbar in Corona-Gewinner wie den Videokonferenz-Anbieter Zoom investiert. Aber auch bei dem Impfstoffhersteller CureVac, für den es zuletzt nicht ganz so gut gelaufen ist, war Schnabel dabei.

Und die Chefin? EZB-Präsidentin Christine Lagarde weist in ihrem Portfolio zwei Fonds aus, einen Dividendenfonds der französischen BNP Paribas und einen von Oddo BHF. Interessanter klingen weitere, nicht börsennotierte Immobilienunternehmen, die Real Estate Transparent Corporation und die Real Estate Company, France. Wie viel Geld jeweils in den einzelnen Anlagen drinsteckt, müssen die EZB-Ratsmitglieder allerdings nicht ausweisen – so weit geht die Transparenz dann doch nicht.

Bemerkenswert ist fraglos auch das Depot des französischen Notenbank-Gouverneurs François Villeroy de Galhau. Immerhin stammt er aus einer lothringisch-saarländischen Industriellenfamilie ab, die Miteigentümer des Keramik-Anbieters Villeroy & Boch ist, gegründet 1748. Kein Wunder, dass das Depot des Notenbankers ganz von den Aktien dieses Traditionsunternehmens dominiert wird. Nach mehreren eher schwachen Jahren hat sich der Kurs dieser Papiere zuletzt recht ordentlich entwickelt.

Ausweisen müssen die Notenbanker auch, ob sie bei einer von der EZB beaufsichtigten Bank ein Konto mit mehr als 100.000 Euro haben. Die Idee dahinter: Bis zu dieser Summe schützt in Europa die gesetzliche Einlagensicherung das Ersparte. Wenn ein EZB-Ratsmitglied bei einem Institut mehr deponiert hat, könnte es in den Verdacht geraten, im Falle einer Banken-Schieflage in Interessenkonflikte zwischen privaten und beruflichen Belangen zu geraten. Das will man vermeiden. In diesem Jahr geben in der Transparenz-Liste immerhin zwölf der 25 EZB-Ratsmitglieder an, sie hätten bei einer einzelnen, von der EZB beaufsichtigten Bank Einlagen von mehr als 100.000 Euro, Grenze nach oben offen. Unter ihnen sind EZB-Chefvolkswirt Philip Lane, Lagarde, Schnabel, Italiens Notenbankchef Ignazio Visco und der Digitaleuro-Zuständige im EZB-Direktorium, Fabio Panetta – nicht aber Bundesbankpräsident Weidmann.

Manche haben auch „nil“ angegeben — „nichts“

Offenbar gibt es aber auch Mitglieder im EZB-Rat, die weder große Bankkonten noch Aktien oder Fonds ihr Eigen nennen: Der spanische Notenbank-Chef Pablo Hernández de Cos und Robert Holzmann aus Österreich geben in der Liste gar nichts an. Auch der irische Notenbank-Chef Gabriel Makhlouf hat an die entsprechende Stelle im Formular schlicht „nil“ geschrieben – „nichts“. Peter Kazimir, der Notenbankchef der Slowakei, hat die Tabellen für Aktien und Fonds im Formular sogar durchgestrichen — dafür aber eingeräumt, er habe mehr als 100.000 Euro auf einem Bankkonto. 

Es sei absolut richtig, dass die EZB-Leitung ihre Anlagen offenlege, damit die EZB als Behörde nicht beschädigt werde, meint der FDP-Bundestagsabgeordnete Markus Herbrand, der sich gerade mit dem Thema beschäftigt hat. Klassische Sparformen verwirkten auch angesichts des Niedrigzinsumfelds und der Nullzinspolitik der EZB ihre Wirkung. Wenn man heutzutage gewinnbringende Vorsorgemöglichkeiten suche, komme man am Aktienmarkt nicht vorbei, meinte Herbrand: „Ich halte es für wichtig, dass die Leitungsebene der EZB verdeutlicht, dass auch sie selbst mit Aktien vorsorgen.“ Hiermit werde eine Lanze für die Aktienkultur gebrochen, die in Deutschland noch immer massiv unterentwickelt sei: „Dass es auch in der EZB vorsichtigere Sparer und mutigere Aktionäre gibt, zeigt, wie unterschiedlich man anlegen kann – und dass es nicht den einen Königsweg zum Vermögensaufbau gibt.“


Quellverweis — www.faz.net

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