Der Hausse-Zyklus setzt sich fort

Seit März 2009 befinden sich die internationalen Aktienindizes unter Führung der Weltleitbörse an der Wall Street in einem technischen Hausse-Zyklus. Hierbei handelt es sich um eine langfristige Aufwärtsbewegung, die auch durch zwischenzeitliche Belastungen und Kurskorrekturen, wie etwa aufgrund der Euro-Schuldenproblematik (2012/2013) oder der Corona-Pandemie (2020/2021), im Regelfall lediglich unterbrochen wird. Während in den vergangenen Wochen eher die Diskussion um Inflationsrisiken im Mittelpunkt standen, haben die internationalen Aktienmärkte in den letzten Tagen eher mit unter den Markterwartungen liegenden Konjunkturdaten aus den USA und China zu kämpfen.

Flaggen und Signale

Der S&P 500 hat sich zuletzt mit einem Investment-Kaufsignal aus seiner trendbestätigenden Konsolidierung nach oben abgesetzt, sodass für das zweite Halbjahr 2021 das neue technische Etappenziel von 4400 bis 4450 vorliegt. Der Nikkei 225 steckt nach der Aufwärtsbewegung zum Jahreswechsel 2020/2021 in einer „Flaggen-Konsolidierung“ unterhalb von 30 000 fest. Dies sollte auch im dritten Quartal 2021 bestehen.

Bild: Kaiser

Der Euro Stoxx 50 ist in den vergangenen Wochen mit einem übergeordneten Kaufsignal aus der fast sechsjährigen Seitwärtspendelbewegung unterhalb von 3830 bis 3870 herausgelaufen, sodass sich für 2021 ein technisches Kursziel von 4200 andeutet. Der Dax hat im Zuge seiner Klettertour die bisherige technische Zielzone von 15 500 bis 16 000 erreicht. Eine Veränderung des Kursziels sollte aber erst vorgenommen werden, wenn im zweiten Halbjahr 2021 ein neues Kaufsignal auf Kurse deutlich über 16 000 hindeutet.

Der S&P 500, ein Kursindex, der mehr als 70 Prozent des US-Aktienmarktes auf Basis der Marktkapitalisierung abdeckt und bei dem der Technologie-Anteil (je nach genauer Abgrenzung) über 30 Prozent vom Index ausmacht, befindet sich seit März 2009 (Start bei 666,6) in einem weiterhin intakten Hausse-Zyklus. Hierbei ist mit den zuletzt erreichten Allzeithochs bei 4355,43 ein Gesamtkurszugewinn von 553 Prozent entstanden. Hinzu kommt die jährliche Brutto-Dividendenrendite von zurzeit ungefähr 1,5 Prozent. Aus mittelfristiger technischer Sicht befindet sich der Index seit dem Corona-Zwischenbaisse-Tief bei 2192 (März 2020) in einer neuen technischen Hausse. Das hohe Aufwärtsmomentum ist von Juli 2020 an (Kursniveau um 3000) in einen normalen mittelfristigen Hausse-Trend (aktuell bei 3750) im direkten Umfeld der steigenden 200-Tage-Linie übergegangen.

Unterhalb der kleinen Widerstandszone

Seit dem Jahreswechsel 2020/2021 hat sich ein zusätzlicher, parallel nach oben verschobener Aufwärtstrend herausgebildet, dessen Trendlinie jetzt 4000 beträgt. In den vergangenen Monaten bewegt sich der S&P 500 in einer Konsolidierung unterhalb der kleinen Widerstandszone um 4257. In den vergangenen Handelstagen ist der Index mit einem neuen Investment-Kaufsignal losgelaufen, wobei unter der technischen Führung einiger großer US-Technologie-Konzerne eine ansprechende Marktbreite vorliegt. Da das alte technische Kursziel von 4200 überschritten wurde, deutet die ansprechende Gesamtlage jetzt eine neue technische Kurszielzone von 4400 bis 4450 für das Jahr 2021 an.

Im japanischen Nikkei 225 (ein Kursindex) startete der laufende, nicht beendete Hausse-Zyklus im Oktober 2008 bei 6995. Damit liegt hier auch eine ansprechende Gesamtkursentwicklung von plus 339 Prozent vor. Aus mittelfristiger technischer Sicht folgte im Index, nach der Corona-Baisse mit einem Tief von 16 358, eine Kurserholung. Mit dem übergeordneten Investment-Kaufsignal (November 2020; Sprung über die mehrjährige Widerstandszone von 24 100 — 24 500) setzte sich der technische Hausse-Zyklus mit einem Aufwärtstrend bis auf 30 714 (Februar 2021; neue Widerstandszone) fort. Seitdem befindet sich der Index in einer mittelfristigen Konsolidierung mit der Form einer „Flagge“. Einerseits hat diese Konsolidierung einen trendbestätigenden Charakter nach oben. Andererseits signalisiert die technische Lage, dass diese Flagge auch im dritten Quartal 2021 noch bestehen sollte.

Der Euro Stoxx 50, ein Kursindex, bewegt sich ebenfalls seit März 2009 (Start: 1765,5) in einem nicht beendeten Hausse-Zyklus. Mit dem zuletzt erreichten Hausse-Top von 4165,6 (Juni 2021) liegt ein Kurszugewinn von „nur“ 136 Prozent vor. Seit dem Corona-Ausverkauf bewegt sich der Index in einer Hausse, die den Index an die sechsjährige Widerstandszone geführt hatte. Im April lief der Euro Stoxx 50 mit einem Investment-Kaufsignal los und nahm den technischen Hausse-Zyklus wieder auf. Hieraus leiten sich als nächstes Etappenziel nun 4200 Punkte ab. Für das zweite Halbjahr deutet sich eine abgeschwächte Aufwärtsdynamik an.

Schwächen und Potentiale

Der Dax, ein Performance-Index, startete seinen technischen Hausse-Zyklus im März 2009 bei 3589, sodass mit dem aktuellen Allzeithoch von 15 802,67 bisher ein Gesamtanstieg von 340 Prozent entstanden ist. Da hier im internationalen Index-Vergleich eine langfristige relative Schwäche vorliegt, sollte damit aber technisches Aufwärtspotential für die kommenden Quartale vorliegen. Innerhalb seines Hausse-Zyklus steckte der Dax seit 2017 unterhalb der gestaffelten Widerstandszone (13 600 — 13 800) in einer schwankungsintensiven Seitwärtspendelbewegung fest. Diese hatte einen trendbestätigenden Charakter nach oben.

Im ersten Halbjahr 2021 ist der Index mit einem neuen Investment-Kaufsi­gnal losgelaufen, sodass sich der Hausse-Zyklus nach mehrjähriger Pause fortsetzt. Aufgrund der Aufwärtsrally der Vorwochen ist der Index bis in die technische Etappenzielzone von 15 500 bis 16 000 gelaufen. Hier steht eine Konsolidierung an. Mit Blick auf das zweite Halbjahr sollte das technische Kursziel für 2021 aber nur angehoben werden, wenn der Index in den kommenden Wochen auch ein neues technisches Kaufsignal generieren kann.


Quellverweis — www.faz.net

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