Wer ist Aareals neuer Anführer?

Nur wenige der vielen Bankvorstände, die in der Finanz- und Eurowährungskrise der Jahre 2007 bis 2012 ihren Posten verloren, schaffen eine Fortsetzung ihrer Bankkarriere. Auch bei Jochen Klösges sah es lange so aus, als hätte er mit seinem Wechsel auf den Vorstandsvorsitz der Vermögensverwaltung des Hamburger Reeders Erck Rickmers im Jahr 2014 für immer die Seite gewechselt. Zuvor hatte die Commerzbank keine Verwendung mehr für ihren Immobilienvorstand gehabt. Doch jetzt erlebt der Finanzplatz ein seltenes Comeback. Der inzwischen 56 Jahre alte Klösges zieht aus Hamburg zurück nach Frankfurt, um in der Aareal Bank in Wiesbaden Mitte September den Vorstandsvorsitz zu übernehmen.

Deutlich mehr Menschen pendeln täglich von Wiesbaden ins rund 30 Kilometer entfernte Frankfurt als umgekehrt. Nicht nur als Bankenplatz gilt Wiesbaden als das ruhigere Pflaster – eigentlich. Doch spätestens seitdem Hermann Merkens im November 2020 sein Amt als Vorstandsvorsitzender aus gesundheitlichen Gründen erst ruhen und dann endgültig aufgeben musste, ist es mit der Ruhe bei dem in Wiesbaden ansässigen Immobilienfinanzierer vorbei: Aareal, stark engagiert als Finanzier von Einzelhandels- und Hotelimmobilien, musste 2020 durch die Lockdowns den ersten Jahresverlust seit fünfzehn Jahren hinnehmen.


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Die Aktie stieg wegen schwacher Wertentwicklung vom M-Dax in den S-Dax ab. Und die aufmüpfigen Aktionäre Petrus Advisers und Teleios heizen der nicht immer glücklich agierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Marija Korsch ein. Auf der Hauptversammlung zettelten die beiden Großaktionäre (zusammen rund 15 Prozent eine Kampfabstimmung gegen drei Aufsichtsräte an, die sie allerdings verloren. Aber die gewonnene „kleine“ Wahl für weniger hohe Vorstandsgehälter und Boni ist ein Achtungserfolg. Die beiden Hedgefonds werden nun umso mehr auf höhere – auch kurzfristige – Gewinne drängen.

In dieser hitzigen Lage fällt dem neuen Vorstandsvorsitzenden Klösges die Aufgabe zu, mit allen Beteiligten der Aareal Bank kooperativ und loyal zusammenzuarbeiten und die Gemüter zu beruhigen. Weggefährten trauen dies dem gebürtigen Kölner zu: Klösges habe eine ausgleichende, Menschen zugewandte Art, ohne dass diese „rheinische“ Leichtigkeit mit Oberflächlichkeit einhergehe. Durch seine Zeit bei Rickmers habe Klösges seinen „Investorenblick“ geschärft und wisse, dass die als aktivistische Aktionären verschrienen Hedgefonds durchaus berechtigte Transparenzforderungen etwa an das Vergütungssystem Aareals stellten. Während das Verhältnis zwischen Korsch und Petrus kaum zu kitten sein dürfte, kann Klösges unbelastet beginnen.

Geplatzte Pläne in der Commerzbank

Auf einen echten Neuanfang für das Geschäft, für das der Immobilienfachmann Klösges nach Auskunft von Weggefährten geradezu „brennt“, hatte er seinerzeit auch in der Commerzbank gesetzt. Dabei hatte dort das Immobiliengeschäft einen schlechten Ruf, und Klösges wusste das. Von 2004 an war er selbst Vorstand der Immobilienbank Eurohypo gewesen, die Dresdner Bank, Commerzbank und Deutsche Bank m Jahr 2001 aus ihren Hypothekenbanken Deutsche Hyp, Rheinhyp und eben Eurohypo gebildet hatten. Ab 2006 ging die neue Eurohypo vollständig in den Besitz der Commerzbank über. Dieser Koloss geriet dann in der Finanzkrise, die auf dem amerikanischen Immobilienmarkt begann, in große Schwierigkeiten und fügte der Commerzbank Milliardenverluste zu.


Quellverweis — www.faz.net

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