EZB-Ratsmitglied Knot: „Inflation ist nicht tot“

Der niederländische Zentralbankpräsident Klaas Knot warnt vor einer Unterschätzung der Inflationsrisiken. „Die Inflation ist nicht tot“, sagte das EZB-Ratsmitglied der Zeitung „NRC Handelsblad“ in einem am Sonntag veröffentlichten Interview. „Unsere Fähigkeit, festzustellen, was vorübergehende Inflation ist und was nicht, sollten wir nicht überschätzen“, sagte Knot.

Die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel hält hingegen trotz Chancen für kräftigere Wachstumsraten im Euro-Raum nach der Pandemie die derzeitigen Inflationssorgen für nicht gerechtfertigt. «Selbst in diesem Umfeld sind Befürchtungen einer zu hohen Inflation unbegründet», sagte das Mitglied des sechsköpfigen Führungsteams der Europäischen Zentralbank (EZB) am Samstag laut Redetext auf einer Veranstaltung. Auch im günstigsten Szenario werde die Teuerung in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich klar unter den Niveaus bleiben, die die Preisstabilität in den 70er und 80er Jahren bedrohten.

Die EZB strebt knapp unter zwei Prozent Inflation im Euro-Raum an, hat dieses Ziel aber in den vergangenen Jahren zumeist verfehlt. Kommende Woche will die Notenbank über ihr Inflationsziel sprechen. Im Juni lag die Inflation in der 19-Ländergemeinschaft bei 1,9 Prozent, nach 2,0 Prozent im Mai. Viele Ökonomen rechnen damit, dass die Preise in der zweiten Jahreshälfte weiter anziehen werden.

Die Volkswirte der EZB erwarten laut ihren jüngsten Prognosen für das laufende Jahr eine Teuerungsrate von durchschnittlich 1,9 Prozent. Aus ihrer Sicht ist der Anstieg der Lebenshaltungskosten, der zuletzt vor allem energiepreisgetrieben war, aber nicht nachhaltig. Für 2022 sehen ihre Projektionen wieder eine geringere Inflation von 1,5 Prozent vor. Für 2023 wird sogar nur noch 1,4 Prozent Teuerung erwartet.

In ihrer Rede wies Schnabel darauf hin, dass der wachsende Anteil der Geimpften in der Bevölkerung die wirtschaftliche Erholung unterstützt. Daher gebe es Chancen, dass die Inflation im Euro-Raum wieder näher an die mittelfristige Zielmarke der Notenbank heranrücke, sagte sie. Die Überwindung der Pandemie liefert Schnabel zufolge zum ersten Mal seit vielen Jahren Grund für vorsichtigen Optimismus, dass die Wirtschaft die geringen Wachstums- und Inflationsraten des vergangenen Jahrzehnts hinter sich lassen könnte. Dafür sei aber anhaltende fiskalische und geldpolitische Unterstützung nötig, merkte sie an.


Quellverweis — www.faz.net

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