Spielraum schaffen

Die Geldpolitik hat in der Pandemie einen entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung der Wirtschaft geleistet. Es ist richtig, wenn die Notenbanken sich auch weiterhin zu unterstützenden Maßnahmen bereit erklären. Gleichzeitig sind sie aber auch dafür zuständig, Vertrauen in die Preisstabilität zu schaffen. Mit der ungebremsten Fortsetzung der billionenschweren Anleihekäufen lässt sich dieses Ziel auf Dauer nicht erreichen.

Zu Recht weist die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die als Bank der Zentralbanken gilt, in ihrem Jahresbericht auf die schwierige Gratwanderung hin, vor der Notenbanken angesichts zuletzt höherer Inflationsraten stehen. Es spricht einiges dafür, dass die Teuerung vorübergehender Natur ist. Aber mit Gewissheit lässt sich dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht behaupten. Es wäre daher gut, wenn in der Europäischen Zentralbank und der amerikanischen Federal Reserve nun Diskussionen geführt werden, wann und wie sich die Geldpolitik wieder normalisieren lässt.

Schließlich müssen sich die Finanzmärkte auf dieses Szenario einstellen. Denn viele Spielräume hat die Geldpolitik nicht mehr, sollte sie den rechtzeitigen Ausstieg aus den außergewöhnlichen Maßnahmen verpassen und es mittelfristig zu einer Rezession kommen. Es wäre auch im Sinne der Finanzstabilität, mit der Diskussion über eine Rückkehr zur Normalität das Risikobewusstsein der Anleger wieder zu schärfen.


Quellverweis — www.faz.net

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