Ratingriese S&P watscht deutsche Banken ab

Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat zu einem ungewöhnlich umfassenden Schlag gegen die deutschen Banken ausgeholt und dabei vor allem gegen die Sparkassen und Volksbanken ausgeteilt. Vor allem die anhaltend schwache Profitabilität, die hohe Wettbewerbsdichte im deutschen Bankenmarkt und die nur langsamen Fortschritten bei der Digitalisierung sehen die Analysten als Gefahren für die langfristige Kreditwürdigkeit der Institute. All diese Probleme würden durch die voraussichtlich noch länger anhaltenden Niedrigzinsen verstärkt, weil sie wichtigste Einnahmequelle der kleinen Institute – den Zinsüberschuss – immer weniger profitabel mache.

„Die Corona-Pandemie hat die Herausforderungen für den deutschen Bankensektor verschärft und die Institute im Vergleich zu globalen Wettbewerbern weniger wettbewerbsfähig gemacht“, kommentierte S&P seine Entscheidung. Auch das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zu unwirksamen Gebührenerhöhungen aus dem April heben die Analysten als potenzielle Belastung für die Banken hervor. Auch wenn die Konsequenzen noch nicht ganz abzusehen seien, dürfte das Urteil mindestens zu hohen einmaligen Rückzahlungen führen und vermutlich künftige Gebührenerhöhungen erschweren.

Magere Rendite

Die Ratingagentur stufte das langfristige Rating gleich einer ganzen Reihe deutscher Institute jeweils um eine Note zurück. Das kann für die Banken die eigene Refinanzierung verteuern. Betroffen sind der genossenschaftliche Bankensektor inklusive seines Spitzeninstituts DZ-Bank und der R+V-Versicherung, die zur Sparkassengruppe gehörende Fondsgesellschaft Dekabank, die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sowie die Sparkassen in Hessen und Thüringen. Zudem stuften die Analysten auch das Rating der Deutschen Pfandbriefbank und der Volkswagen-Bank herab. Gleichzeitig bestätigten die Experten ihre Einschätzungen von Commerzbank und Hypovereinsbank. Die beiden haben aber weiter einen negativen Ausblick und es droht eine Herabstufung.

Die hohen Kosten und die Versäumnisse in der Digitalisierung sehen die Analysten als offene Flanken, wenn ausländische Wettbewerber bis hin zu den großen amerikanischen Technologiekonzernen in den deutschen Bankmarkt vorstoßen wollen. Schon seit vielen Jahren gelingt es ausländischen Instituten wie etwa der niederländischen ING oder der französischen BNP Paribas, mit günstigen Internetbanken im deutschen Markt erhebliche Marktanteile zu gewinnen.

Die Eigenkapitalrendite sei im deutschen Bankensektor im vergangenen Jahr von schon mageren 4 Prozent auf 2 Prozent gesunken. Für die nächsten zwei Jahre rechnen die Analysten mit Renditen zwischen 3 und 4 Prozent, womit viele Institute nicht einmal ihre Kapitalkosten decken dürften. Im europäischen Vergleich würden die deutschen Banken sehr ineffizient arbeiten. Als positiv bewerteten die Analysten, dass die Corona-Pandemie wegen der deutschen Hilfsprogramme nur geringe Folgen für die Bankkunden haben dürfte. Allerdings erwarten sie nun auch keinen Geschäftsschub nach dem Abklingen der Pandemie.

Die betroffenen Banken versuchten, die Bedeutung der Herabstufungen herunterzuspielen. Die neue Bonitätsnote von „A-“ sei im deutschen Bankenmarkt ein unverändert gutes Rating, erklärte zum Beispiel die Helaba. Von der Deka hieß es, auch die Sparkassen-Fondsgesellschaft könne sich der Gesamt-Herabstufung des Sektors nicht entziehen. Als positiv wertete sie, dass S&P die Einschätzung der eigenen Finanzkraft des Fondshauses unverändert gelassen habe. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken betonte, die genossenschaftliche Finanzgruppe sei trotz der Herabstufung unverändert die private Banken-Gruppe mit der besten Rating in Deutschland.


Quellverweis — www.faz.net

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