Eigenmittel der deutschen Lebensversicherer nehmen ab

Deutsche Lebensversicherer haben im vergangenen Jahr mit verschlechterten Anlagebedingungen zu kämpfen gehabt. Das hat ihre Finanzstabilität verschlechtert. Zum Stichtag 31.12.2020 lag die maßgebliche Null-Coupon-Euroswap-Kurve mit minus 0,27 Prozent um einen halben Prozentpunkt unter dem Vorjahreswert.

Dadurch ist die Solvenzquote, also die Eigenmittelquote zur Bedeckung langfristiger Zinsverpflichtungen um 53 Prozentpunkte auf 203 Prozent gefallen. Das geht aus einer Analyse der Solvenzberichte durch die unabhängige Beratung Zielke Research Consult GmbH und den Bund der Versicherten hervor. Eine Quote von 100 Prozent müssen Versicherer erreichen, wollen sie ihr Geschäft aufrechterhalten.

Inzwischen schaffen 19 der 80 deutschen Lebensversicherer die Anforderungen der Eigenmittelregeln nur noch, indem sie die bis zum Jahr 2032 gewährten Übergangsregeln anwenden. Darunter sind prominente Namen wie Signal Iduna, HUK-Coburg, Debeka und Ergo. Studienautor Carsten Zielke sieht einige positive Aspekte: Versicherer hätten ihre Kapitalanlage breiter diversifiziert und damit Risiken gemindert, überdies habe seine jahrelange Kritik an der mangelnden Transparenz der Berichte dazu geführt, dass sich das Niveau verbessert habe.

Verrentung bindet viele Eigenmittel

Die angespannte Lage lasse sich verbessern, wenn die Politik steuerliche Vorteile von Altersvorsorgeprodukten wie Riester- oder Rürup-Renten nicht mehr an eine Verrentung des Kapitals knüpfe. Das könne die durchschnittliche Dauer der Verpflichtungen um acht bis neun Jahre verringern und die Eigenmittel um 15 bis 25 Prozent stärken.

Die Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten betonte, nur sieben Lebensversicherer wiesen eine aus Verbrauchersicht akzeptable Gewinnerwartung aus. „Einige Versicherer werden die nächsten Jahre nicht überleben“, sagte Vorstandssprecher Axel Kleinlein. „Die Branche hat die Warnsignale der letzten Jahre offenbar geflissentlich ignoriert, den Preis dafür zahlen die Kundinnen und Kunden.“

Erstmals hätten auch französische Versicherer die Übergangsregeln genutzt, die wegen des speziellen Modells der deutschen Lebensversicherungen hiesigen Gesellschaften vorbehalten sein sollten. „Aus aktuarieller Sicht darf die Verwendung der Übergangsmaßnahmen nicht als Zeichen von Schwäche verstanden werden“; erwiderte Herbert Schneidemann, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung der von Unternehmen beschäftigten Versicherungsmathematiker. „Sie ist vielmehr das Ergebnis einer sorgfältigen Risikoanalyse und Unternehmensstrategie.“


Quellverweis — www.faz.net

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