Wie die Lufthansa sich befreien will

Die „Lufthansa blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die glanzvolle Höhepunkte erlebt hat, aber nicht ohne Brüche verlaufen ist“. Dieser Satz stammt von der Internetseite von Europas größter Fluglinie. Die jüngste Krise des Konzerns, hervorgerufen durch die Corona-Pandemie, ist nicht nur ein weiteres Kapitel dieser bewegten Geschichte, denn sie führte sogar zum Abstieg der Lufthansa aus dem Leitindex Dax.

Vor gut einem Jahr waren sich sogar viele Experten gar nicht mehr so sicher, wie lange die Lufthansa überhaupt noch (über)leben wird. Ein Jahr später lecken sich der Konzern sowie seine Belegschaft die Wunden, zeigen zugleich aber wieder ein bisschen Optimismus.

Welche Bedeutung die Branche nicht nur für Aktionäre sondern für die ganze Volkswirtschaft hat, zeigt auch die Tatsache, dass die Bundesregierung am Freitag einen großen Luftfahrt-Gipfel abhält. Mit Blick auf die Lufthansa ist der Staatseinfluss auf das Unternehmen wegen der Krisenhilfen und der staatlichen Beteiligung größer geworden. Doch die Aussichten bessern sich nun. Lufthansa-Chef Carsten Spohr stellte anlässlich des Luftfahrtgipfels sogar in Aussicht, dass die Staatsbeteiligung schon vor der im September stattfindenden Bundestagswahl zurückgezahlt werden könnte. Demnach wäre es schon in wenigen Monaten so weit.

Gut doppelt so viele Buchungen

Am Dienstagabend hatte der ehemalige Dax-Konzern mitgeteilt, dass aufgrund des weltweit beschleunigten Impffortschritts und der daraus resultierenden schrittweisen Lockerung der Reisebeschränkungen die Buchungen der Lufthansa Group deutlich angestiegen seien. „Im Vergleich zum durchschnittlichen wöchentlichen Buchungseingang im März und April 2021 haben sich die Neubuchungen im Mai und Anfang Juni mehr als verdoppelt“, heißt es.

Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
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Bild: Privat

Im Kern lässt vor allem die Nachfrage nach europäischen Urlaubszielen rund um das Mittelmeer und der touristische Langstreckenmarkt mit nur begrenzten oder keinen Reisebeschränkungen die Buchungszahlen steigen. Auch deshalb wird im zweiten Quartal mit einem positiven operativen Cashflow gerechnet.

Ähnlich wie dem Tui-Konzern sei es der Lufthansa und seiner Belegschaft gegönnt, dass es wieder aufwärts geht und die Flugzeuge starten können. Ein Horrorjahr wie 2020 dürfte die Lufthansa trotz eines staatlichen Großaktionärs nur bedingt noch einmal überleben können.

Im Geschäftsjahr 2020 musste die Lufthansa einen bereinigten operativen Verlust von mehr als 5,4 Milliarden Euro verbuchen. Das neue Geschäftsjahr wiederum leitete die Kranich-Airline zwischen Januar und März 2021 mit einem Minus von 1,14 Milliarden Euro ein. Auch für das laufende Gesamtjahr wird von Managementseite ein Minus, gemessen am bereinigten operativen Geschäft, erwartet, doch immerhin soll dieses laut Prognose geringer ausfallen als im Vorjahr.

Die Zahlen verdeutlichen, wie sehr die Lufthansa unter den wirtschaftlichen Folgen von COVID-19 zu leiden hatte. Erst für das zweite Halbjahr 2021 rechnet der Konzern dank der Impffortschritte und der weiteren Verbreitung und Akzeptanz von Testmöglichkeiten mit einer deutlichen Markterholung. Trotzdem geht die Lufthansa davon aus, für das Gesamtjahr lediglich eine Kapazität von etwa 40 Prozent des Vorkrisenniveaus anbieten zu können.

Lässt sich die Staatsbeteiligung abhaken?

Wer bei der Lufthansa schon lange Aktionär ist, dürfte trotz dieser Nachricht nur bedingt entspannt auf seine Aktien-Position blicken. Langfristig konnte die Aktie als Anlage nicht überzeugen. Wegen der immer wiederkehrenden scharfen Kurseinbrüche stehen hier beispielsweise auf Sicht der vergangenen 20 Jahre Kursverluste von im Schnitt zwei Prozent pro Jahr zu Buche. Auch die Tatsache, dass bei der Fluggesellschaft zur Rettung in der Corona-Krise eine Staatsbeteiligung notwendig geworden war, ist für viele weiterhin ein Thema, dass man möglichst schnell abhaken will.


Quellverweis — www.faz.net

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