Die Woche an der Börse: Magische Kurse im Mittsommer

Nicht nur heiß, auch lang sind die Nächte gerade. Die Sonne hat ihren höchsten Stand erreicht, die Pflanzen erreichen das höchste Wachstumstempo und an der Börse erreicht der Dax neue Rekorde. Gegen Kursbewegungen ist eben nicht einmal Johanniskraut gewachsen, und das ist gut so.

Schließlich zeichnet die größten 100 deutschen Aktien aus dem F.A.Z.-Index aus, dass es für sie, anders als etwa für eine Immobilie, einen recht liquiden Markt gibt: Am Ende des Tages finden immer genauso viele Aktien einen Käufer wie einen Verkäufer. Warum jemand ge- oder verkauft hat, darüber lässt sich meist nur mutmaßen.

Am dritten Freitag im Juni rund um die Sonnenwende kommen gleichsam magische Momente hinzu, wenn Terminkontrakte und Optionen auslaufen und darin engagierte Marktteilnehmer die zugrunde liegenden Aktienkurse in eine für sie kurzfristig günstige Richtung lenken wollen. Da die Kursbewegungen dann noch undurchschaubarer sind als sonst, haben Börsianer Freitage wie diese „Hexensabbat“ getauft.

Wenden wir uns den Fakten zu: Am Freitagnachmittag ging es für den Dax um 1,5 Prozent deutlich abwärts, doch erstmals hat der Index der dreißig größten deutschen Aktiengesellschaften in dieser Woche fast 15. 800 Punkte erreicht, das sind satte 27 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Dabei gibt es auch Wochenverlierer, etwa die Deutsche Bank. Ihr Aktienkurs bäumte sich einmal kurz auf, als die amerikanische Notenbank Fed erkennen ließ, dass sie im Kampf gegen die Inflation schneller als gedacht die Zinsen anheben könnte. Das wäre gut für Banken. Aber der Wochentrend für die Deutsche Bank zeigt klar abwärts, während ihre Aktie auf Jahressicht mit einem Kursplus von 35 Prozent noch im oberen Dax-Drittel steht.

Beginnt jetzt die passende Zeit für Gewinnmitnahmen am Aktienmarkt, wenn die Nächte allmählich wieder länger werden, China die Kredite drosselt und in Amerika die Zinswende Konturen gewinnt? Der schwache Wochenschluss spricht dafür.

Doch der Aufschwung an der deutschen Aktienbörse wird noch gestützt von der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq, wo die Kurse 46 Prozent höher als vor einem Jahr stehen und die Jahresgewinne der Unternehmen in fast gleichem Ausmaß zulegen dürften.

Während der Chiphersteller Infineon hinter Daimler mit 70 Prozent Kursgewinn seit einem Jahr zweitbester Dax-Wert ist, weisen andere deutsche Technologieaktien wie Morphosys und Teamviewer hohe Verluste auf. Der Tec-Dax steht nicht einmal 10 Prozent höher als vor einem Jahr. Hier könnte auch nach der Sonnenwende noch das ein oder andere Hoch im Hochsommer folgen.


Quellverweis — www.faz.net

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