Der Glaube an Gold scheint zu schwinden

Der Goldpreis hat in den vergangenen Tagen einen empfindlichen Rücksetzer hinnehmen müssen: Rund 5 Prozent hat er bis zum Freitag innerhalb einer Woche verloren, der größte Wochenverlust seit 15 Monaten, wie die Analysten der Commerzbank schreiben. Zeitweise fiel der Preis unter 1770 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Als Grund wurde insbesondere die Ankündigung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) genannt, die höhere Zinsen in Aussicht gestellt hatte. Das habe auf zweifache Weise den Goldpreis gedrückt, sagt Alexander Zumpfe, Goldhändler des Edelmetallkonzerns Heraeus: Zum einen machten höhere Zinsen das zinslose Gold weniger attraktiv, zum anderen habe die Fed den Wechselkurs des Dollars gestärkt. Ein stärkerer Dollar aber verteuere Gold außerhalb des Dollarraumes und sorge somit tendenziell für eine geringere Nachfrage, die ihrerseits wieder auf den Preis drücke.

Viele Privatanleger trauen Gold jetzt offenbar keine solchen Preis-Höhenflüge wie im vorigen Jahr mehr zu. Das jedenfalls geht aus einer Umfrage hervor, mit der das Goldhandelshaus Pro Aurum einmal im Jahr das Meinungsforschungsinstitut Forsa beauftragt. Die Ergebnisse verdeutlichen eine bemerkenswerte Veränderung gegenüber dem Vorjahr: Auf die Frage, welcher Geldanlage sie in den nächsten drei Jahren die größten Gewinne zutrauten, sagten voriges Jahr mit Abstand die meisten „Gold“. Dieses Jahr war der Spitzenreiter „Aktien“ – und zwar wieder mit Abstand. Die Zahl der Befürworter von Gold sank von 31 auf 23 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert seit mindestens zehn Jahren. Die Zahl der Aktien-Befürworter hingegen stieg von 25 auf 32 Prozent, den höchsten Wert seit zehn Jahren.

Gold als Inflationsschutz

Nun kann man viele Gründe anführen, warum diese Veränderung eingesetzt haben könnte. Der Goldpreis hat schon einiges an Höhenflug hinter sich, die Krise entspannt sich etwas – da trauen manche Anleger den Aktien vielleicht mehr Wertentwicklung zu als der Krisenwährung Gold. Trotzdem bleibt es etwas seltsam, weil in den Filialen der Goldhändler viele Kunden erzählen, dass sie Angst vor Inflation hätten und jetzt einen Anstieg der offiziellen Inflationsraten sehen. Viele fühlten sich bestätigt in ihrem Gefühl, dass die Inflation immer schon höher gewesen sei als offiziell ausgewiesen, berichtet jedenfalls Robert Hartmann von Pro Aurum. Vielleicht ist für solche Anleger aber die Sicherheit des Goldes wichtiger als die Wertentwicklung.

Die Forsa-Umfrage zeigt jedenfalls, dass es hinsichtlich des Glaubens an das Gold erhebliche Unterschiede zwischen den Generationen gibt. Am meisten glaubt an das Gold noch die Gruppe der Anleger zwischen 45 und 59 Jahren. In dieser Gruppe wird dem Edelmetall in den nächsten drei Jahren die größte Wertentwicklung unter allen Geldanlagen zugetraut, weit vor Aktien. Aber sowohl ältere Menschen, von denen viele offenbar fast überhaupt keiner Anlageklasse mehr so recht vertrauen, als auch die jüngeren sehen das anders. In der Gruppe zwischen 18 und 29 Jahren ist der Anteil, der zumindest verbal den Aktien am meisten zutraut, innerhalb eines Jahres von 31 auf 43 Prozent gestiegen, den höchsten Wert der Umfrage.

Goldkäufe in den ersten Monaten des Jahres

Nun könnte sich ja unterscheiden, welcher Anlageklasse jemand theoretisch die größte Wertentwicklung zutraut und wo er wirklich investiert. Gerade im Falle von Gold könnte das eine Rolle spielen, weil die erwartete Wertentwicklung für Privatanleger oftmals nicht das entscheidende Kaufmotiv ist. Die Studie hat auch das abgefragt: Goldbarren oder Goldmünzen besitzen demnach 7 Prozent, Silberbarren oder Silbermünzen besaßen 5 Prozent der Befragten. Im Falle von Gold ist das ein leicht niedrigerer Wert im Vergleich zum Vorjahr, aber keine spektakuläre Veränderung. Interessant ist es trotzdem, weil die Goldhändler und auch die Branchenorganisation World Gold Council über eine rege Kauftätigkeit bei physischem Gold in den ersten Monaten dieses Jahres berichtet hatten; aber das muss die Zahl der Goldbesitzer natürlich nicht unbedingt nach oben getrieben haben. Die repräsentativen Umfrageergebnisse sind jedenfalls relativ aktuell, es wurden zwischen dem 7. und 10. Juni rund 1000 Erwachsene in Deutschland befragt.

Hinsichtlich des tatsächlichen Besitzes von Gold und Aktien sieht die Verteilung über die Altersgruppen dabei übrigens anders aus als bei den Erwartungen für die künftigen Chancen: Die hohe Zahl der jüngeren Leute, die Aktien gut finden, korreliert offenbar nicht mit dem tatsächlichen Besitz solcher Wertpapiere. In der Praxis hatten die Befragten in der Gruppe zwischen 18 und 29 Jahren, von denen die Aktien so gelobt worden waren, vor allem ein Tagesgeldkonto (24 Prozent) und Fondsanteile (23 Prozent). Einen hohen Prozentsatz von Aktionären gab es mit 20 Prozent vor allem in der Gruppe 45 bis 59 Jahre; vermutlich aufgrund der Vermögensverhältnisse. Das ist auch die Gruppe, in der Immobilien (40 Prozent) und Lebensversicherungen (43 Prozent) besonders verbreitet sind.


Quellverweis — www.faz.net

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