Warburg trennt sich von Schellenberg und holt Better

Nach der Verstrickung in den „Cum-Ex“ genannten Steuerbetrug gibt es in der Hamburger Privatbank M.M. Warburg & Co ungewöhnlich viel Bewegung in der Geschäftsführung. Der 52 Jahre alte Peter Rentrop-Schmid scheidet aus persönlichen Gründen aus dem Partnerkreis aus. Er bleibt aber Aufsichtsratsvorsitzender der zum Verkauf stehenden Tochtergesellschaft Degussa Bank und soll dem Vernehmen nach in absehbarer Zeit wieder Aufgaben im Familienimperium Olearius übernehmen.

Die Verbindung von dem 56 Jahre alten Matthias Schellenberg und Warburg ist dagegen endgültig zerbrochen. Schellenberg, der erst im Dezember 2020 von der Münchener Bank Merck Finck zu Warburg gewechselt ist, soll dort zu großspurig und für die konservative Bank mit persönlich zu ehrgeizigen Zielen aufgetreten sein. Formal verständigte man sich auf ein Ausscheiden im „besten Einvernehmen“, aber nach Informationen der F.A.Z. ging der Impuls für die Trennung von Warburg aus.

Better kehrt mit eisernen Besen

In dieser heiklen Lage, in der mit dem 50 Jahre alten Joachim Olearius und dem 61 Jahre alten Patrick Tessmann nur noch zwei Geschäftsführer an Bord der Warburg-Bank sind, hat der Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Thiemann eine alte Verbindung wiederbelebt: die zu Manuela Better. „Neue Besen kehren gut, aber alte Besen wissen genau, wo der Dreck liegt“, hatte Thiemann 2010 wenig charmant über Better gesagt, als er sie, die einen Großteil ihres Berufslebens bei der Hypo Real Estate (HRE) und der Bayerischen Vereinsbank verbracht hatte, 2010 nach dem abrupten Abgang von Axel Wieandt mitten in der Finanzkrise zur Vorstandsvorsitzenden der notverstaatlichten HRE kürte. Dort erwarb sich Better den Ruf einer harten Saniererin mit viel Immobilienkompetenz. Aus Enttäuschung darüber, dass die Bundesregierung der ausgehandelten Verkauf der Depfa-Bank an Hedge-Fonds abblies, trat sie im Juni 2014 zurück.

Jetzt holt Thiemann Better als neue Risikochefin in Warburgs Geschäftsführung. Dort soll die inzwischen 60 Jahre alte Managerin vom 4. Juli an für mindestens die nächsten drei Jahre auch die wegen „Cum-Ex“ strapazierten Beziehungen Warburgs zur Bankenaufsicht verbessern.

Keine Revision von Deka gegen Cum-Ex

Better war zuletzt bis Mai 2020 Risikovorstand der Sparkassenfondsgesellschaft Deka. Dort ersetzte sie Birgit Dietl-Benzin, die von der UBS kam. Better war anschließend nach Informationen der F.A.Z. als Chefin der Nord LB und der Aareal Bank im Gespräch gewesen – kam dort aber nicht zum Zuge. Der im Gespräch zurückhaltenden Frau ist zuzutrauen, das Verhältnis Warburgs zur Bankenaufsicht zu beruhigen. In der Deka hatte sie nach einer Kosten-Nutzen-Analyse darauf hingewirkt, dass die Sparkassen-Fondsgesellschaft 2016 nach einer Niederlage vor dem Hessischen Finanzgericht 50 Millionen Euro an Steuern aus Cum-Ex-Geschäften verloren gab und nicht in Revision ging. Die Warburg-Eigner Olearius und Max Warburg hingegen sind mit ihren Anwälten, darunter Peter Gauweiler, bisher eher auf Krawall gebürstet und versuchen unter anderem, die Deutsche Bank in den Cum-Ex-Sumpf hineinzuziehen – bisher vor Gericht ohne Erfolg.

Risikoexpertin Better ist allerdings nicht nur vorsichtig, sondern auch unerschrocken. Ihre privaten Urlaube verbringt die Managerin gern im Urwald. Nur die Corona-Pandemie hat verhindert, dass sie seit ihrem Ausscheiden bei der Deka vor gut einem Jahr Nordperu, die Mongolei und die Oster-Inseln besuchte. Die schon gebuchten Touren muss die in München beheimatete Better weiterhin zurückstellen. Während der Woche wird sie nun in Hamburg gebraucht.


Quellverweis — www.faz.net

Releated

Die neue Liebe zum Tagesgeldkonto

Es scheint einen neuen Trend zu geben: Weil viele Banken, auch Volksbanken und Sparkassen, für größere Beträge auf dem Girokonto jetzt ein Verwahrentgelt verlangen, eröffnen Bankkunden neue Tagesgeldkonten, um ihr Geld auf mehrere Banken aufteilen zu können. Das jedenfalls legt eine Studie der Raisin DS GmbH nahe, zu der die fusionierten Zinsportale Weltsparen und Deposit […]

Headset-Hersteller Ceotronis will wieder Dividende zahlen

Nach drei Jahren ohne Dividende will die börsennotierte Ceotronics AG ihre Anteilseigner wieder am Gewinn beteiligen. Wie der auf Headsets spezialisierte Mittelständler mitteilt, schlagen Vorstand und Aufsichtsrat zwölf Cent je Aktie vor. Daraus errechnet sich gemessen am derzeitigen Kurs der Aktie eine Dividendenrendite von drei Prozent. Ceotronics zählt mit einem Firmenwert von 27,5 Millionen Euro […]