Inflationsschutz hebt die Rendite

Die steigenden Inflationsraten treiben auch die Anleihemärkte um. Die Pandemie hat unter anderem die Lieferketten und andere Wirtschaftsaktivitäten durcheinander- gebracht. Nun fallen die Beschränkungen durch Corona nach und nach weg, und der sprunghafte Anstieg der Nachfrage in aller Welt lässt die Preise steigen. „Diese pandemiebedingten Verzerrungen dürften noch eine Zeit lang anhalten“, sagt Christian Kopf, der Leiter des Portfoliomanagements Renten bei der Fondsgesellschaft der Volks-und Raiffeisenbanken, der Union Investment.

Die Pandemie hat nicht nur in der tatsächlichen Preisentwicklung Spuren hinterlassen – so ist die amerikanische Kerninflation, also die Teuerung ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise, im April so stark gestiegen wie seit 1996 nicht mehr. Sie hat auch die Erwartungen der künftigen Inflationsentwicklung am Kapitalmarkt in die Höhe getrieben. Verglichen mit dem Tiefpunkt im Frühjahr 2020, sind die Inflationserwartungen markant gestiegen und liegen nun auf einem Mehrjahreshoch, wie Kopf betont. Gleichzeitig werden aber Zinsanhebungen erst in fernerer Zukunft erwartet. Der Markt rechnet zum Beispiel bei der amerikanischen Notenbank Federal Reserve aufgrund belastender Spätfolgen der Corona-Krise nicht mit einer Zinserhöhung vor der zweiten Jahreshälfte 2022.

Kopf erkennt hier ein „neues Paar an den Kapitalmärkten“, bestehend aus steigender Inflation auf der einen Seite und fehlender Zins-Reaktionen der Zentralbanken auf der anderen. Aus seiner Sicht werden die Inflationsraten noch länger schwankungsanfällig und schwierig zu interpretieren bleiben. Kurz- und mittelfristig erwarte er eine weiterhin erhöhte Schwankungsbreite bei den Anleihekursen. Vor allem für ein Rentenportfolio, das zur Abdeckung von Verbindlichkeiten dient, die an die Inflation gekoppelt sind, also zum Beispiel Löhne, kann das unschöne Konsequenzen bergen. Hier empfiehlt Kopf sogenannte Inflations-Swaps, mit denen sich unerwartet hohen Teuerungsraten entgegenwirken lasse.

Auch für herkömmliche Anleger können inflationsgeschützte Anleihen attraktiv sein. Wie eine aktuelle Untersuchung der Anlagegesellschaft Nomura Asset Management zeigt, hat diese Anlageklasse zuletzt sogar höhere Renditen erzielt als herkömmliche Anleihen. Sie gehören demnach im bisherigen Jahresverlauf zu den am besten abschneidenden Segmenten am Anleihemarkt. Mit einer positiven Wertentwicklung von 0,8 Prozent haben sie beispielsweise Bundesanleihen (minus 3,2 Prozent) und amerikanische Staatsanleihen (minus 3,5 Prozent) deutlich hinter sich gelassen.

Noch deutlicher ist der Auswertung zufolge der Abstand, wenn man die vergangenen drei Jahre betrachtet. In der ganzen Welt erzielten die sogenannten Linker zwischen Mai 2018 und Mai 2021 demnach ein Plus von 14,2 Prozent, in Euro gerechnet, während die globalen Rentenmärkte inklusive Unternehmensanleihen im Investment Grade nur um 8,5 Prozent zulegten. Wer nur in deutsche Staatsanleihen investierte, erzielte eine Rendite von lediglich 3,6 Prozent, und US-Staatsanleihen brachten 8,7 Prozent.

„Man hätte schon die Risiken von High-Yield-Anleihen eingehen müssen, um an den Rentenmärkten über den letzten Dreijahreszeitraum mehr Ertrag als mit Inflation Linkern zu machen“, sagt Sönke Siemßen, der das Kunden-Portfoliomanagement bei Nomura leitet.


Quellverweis — www.faz.net

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