Erstmals Digitalzeichnung von Sachwertefonds möglich

Während der Coronakrise hatten Banken und Finanzvertriebe ein Problem: Produkte zu verkaufen, die an eine Beratungspflicht gebunden sind, erwies sich als schwierig, zum Teil unmöglich. Diese Erfahrung in Verbindung mit einem generell veränderten, das heißt stärker internet-basiertem Kundenverhalten war ein Beweggrund für die Commerz Real, den Sachwerte-Spezialisten der Commerzbank, seine Bemühungen zu verstärken, zu einem digitalen Vermögensverwalter zu werden.

Nun ist man das erste Unternehmen, das eine vollständig digitale Zeichnungsmöglichkeit für ein beratungspflichtiges Produkt bietet — ohne persönliches Gespräch mit einem Anlageberater, wobei dies ausdrücklich nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung gedacht ist. Zunächst gilt dies nur für ein Produkt, den Impact-Fonds „Klimavest“. Bei diesem handelt es sich um einen sogenannten Eltif (European Long Term Investment Fund), ein in Deutschland noch nicht gängiges Instrument, das zudem besondere regulatorische Anforderungen stellt, nicht nur an Kenntnisse und Erfahrungen, sondern auch an Vermögen und damit verknüpft minimalen und maximalen Zeichnungssummen.

Ähnlich wie beim Crowdinvesting

Wer schon einmal Crowdinvestments abgeschlossen hat, kennt die Vorgehensweise der digitalen Angemessenheitsprüfung. Die Fragen nach Einkommen und Vermögensstatus sind sehr ähnlich. Allerdings musste der Prüfungsprozess auf die speziellen Erfordernisse des Eltif angepasst werden. Das sei durchaus eine Herausforderung gewesen, heißt es von den Kooperationspartner der Commerz Real, Capital Pioneers und Xpecto, die hoffen, dass das Projekt der Einstieg in die volldigitale Fondszeichnung ist.

Eingebucht werden können die Anteile in jedes beliebige Depot — dies ist einer der Vorteile des Eltif. Zudem können  Anteile börsentäglich zurückgegeben werden und anders als bei anderen Sachwertefonds gibt es für einen Eltif auch stets aktuelle Angaben zum Nettoinventarwert, die über das Depot einsehbar sind. Dagegen darf der Kurschart aufgrund anderer Bestimmungen „zum Schutz der Anleger“ nicht überall dargestellt werden. So auch nicht auf FAZ.NET — eine der absurdesten Bestimmungen des Anlegerschutz überhaupt.

Der Klimavest sei der erste Impact-Fonds für Privatanleger, der fokussiert in Sachwerte investiere, heißt es von der Commerz Real. Während seiner Laufzeit soll er ein Portfolio aus Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien sowie nachhaltiger Infrastruktur, Mobilität und Forstwirtschaft im Wert von insgesamt mindestens 25 Milliarden Euro aufbauen, davon etwa 10 Milliarden Euro Eigenkapital. Im Unterschied zu herkömmlichen Nachhaltigkeitsfonds investiere der Klimavest in Vermögenswerte, die einen messbaren und damit nachweisbaren Beitrag zur Senkung des CO2-Ausstoßes leisteten.

Angestrebt wird eine Rendite von jährlich 3 bis 4 Prozent. Gezeichnet werden kann ab 10.000 Euro. Allerdings ist die Vorgabe eines Eltif, dass dieser maximal 10 Prozent am Finanzanlagevermögen ausmachen darf, das zudem 100.000 Euro überschreiten muss.

Anleger erhalten während ihres Engagements regelmäßig Berichte nicht nur über die Wertentwicklung,  sondern auch zur Klimawirkung des Fonds. Die Commerz Real empfiehlt eine Mindesthaltedauer von fünf Jahren, bei einer Gesamtlaufzeit des Klimavest bis zum Jahr 2070.


Quellverweis — www.faz.net

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