Der Dax kommt dem Pariser Klimaziel am nächsten

Als vorbildlich lässt sich der Klimaschutz in den 30 Dax-Unternehmen zwar nicht einordnen, aber der führende deutsche Aktienindex schneidet besser ab als seine Pendants in den restlichen G-7-Ländern. Das ist das Ergebnis einer der F.A.Z. vorliegenden Untersuchung der Science Based Targets Initiative (SBTi), einer gemeinsamen Initiative von UN Global Compact, Carbon Disclosure Project (CDP), Worldwide Fund for Nature (WWF) und anderen.

Diese Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen mit wissenschaftlich fundierten Klimazielen auf den Weg in eine CO2-freie Wirtschaft zu unterstützen. Wichtigster Leitfaden ist das Pariser Klimaabkommen, nach dem die Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter deutlich unter 2 Grad Celsius, bestenfalls auf 1,5 Grad begrenzt werden soll. Um dieses Ziel zu erreichen, muss in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts die sogenannte „Treibhausgas-Neutralität“ erreicht werden. Dann dürfen nicht mehr klimaschädliche Gase ausgestoßen werden, also durch die Natur, zum Beispiel Wälder, entzogen werden.

Forderungen an G7-Staaten

In der SBT-Studie erreichen die Dax-Unternehmen eine Erderwärmung von 2,2 Grad, was nicht dem Pariser Klimaziel entspricht, aber besser ist als der G-7-Durchschnitt von 2,8 Grad. Die jüngste Untersuchung zeigt den Nachholbedarf in den führenden Industrieländern auf: Keiner der dortigen Leitindizes befindet sich auf Kurs, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Mit Blick auf das G-7-Treffen an diesem Wochenende forderte Lila Karbassi, Vorstandsmitglied von UN Global Compact, die Regierungen dazu auf, weitere Anreize für wissenschaftsbasierte Ziele zu schaffen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel zu ignorieren, vergleicht Alberto Carillo Pineda, Direktor des Carbon Disclosure Projects, mit der Entscheidung eines Rauchers, trotz der Kenntnisse über die Risiken und Schäden weiterzurauchen.

Am schlechtesten schneiden der britische Leitindex FTSE 100 und das kanadische Pendant SPTSX 60 mit jeweils 3,1 Grad Celsius ab. Für die Bewertung der Indizes ist entscheidend, dass die Emissionen der Indexunternehmen durch wissenschaftlich begründete Ziele abgedeckt werden. Je höher der Anteil, desto niedriger die Temperatur-Bewertung durch die Initiative. Der Autokonzern BMW ist der SBT-Initiative beigetreten, um sich so messbar zu machen. Auch die Deutsche Post oder der Technologiekonzern Bosch haben sich dem Prüfprozess unterworfen, um in Sachen Nachhaltigkeit der Öffentlichkeit und den Investoren mehr Transparenz zu bieten. Im Dax liegt der Anteil mit 60 Prozent am höchsten, dahinter folgt der CAC40 der Pariser Börse mit 35 Prozent und der FTSE MIB der Mailänder Börse mit 29 Prozent. Der französische und der italienische Leitindex schneiden mit einem Temperatur-Rating von jeweils 2,7 Grad nach dem Dax am besten ab.

Der SBTi-Untersuchung zufolge tragen fossile Energieträger am meisten zu den Emissionen bei. Sie machen in der Temperaturbewertung des kanadischen Leitindex 70 Prozent aus und im italienischen FTSE MIB 50 Prozent. Der Anteil der wissenschaftsbasierten Klimaziele liegt im SPTSX 60 der Börse Toronto mit weniger als ein Prozent am niedrigsten. Der Londoner Leitindex kommt auf 6 Prozent, der amerikanische Aktienindex S&P500 auf 15 Prozent und der japanische Nikkei 225 auf 11 Prozent. Der S&P500 und der Nikkei 225 erreichen eine Erderwärmung von jeweils 3,0 Grad.


Quellverweis — www.faz.net

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