Frisches Geld für Mäuse und Fahrräder

Mit Cherry und Bike 24 ist die Liste der Börsenkandidaten am Montag um zwei Unternehmen länger geworden. In beiden Fällen geht es um den Verkauf von Alt-Anteilen und die Ausgabe neuer Aktien. Die Cherry AG, vor allem als Anbieter von Tastaturen und Mäusen für Computer bekannt, will noch im Sommer im Frankfurter Prime Standard gelistet werden. Aus einer Kapitalerhöhung sollen dem Unternehmen 140 Millionen Euro zufließen. Wie viel die Eigentümer abgeben wollen, ist nicht bekannt. Seit 2016 ist das Unternehmen aus Auerbach in der Oberpfalz im Besitz der Hamburger Beteiligungsgesellschaft GENUI Partners. Erst im September 2020 stieg auch die amerikanische Argand als Mehrheits-Investor ein.

Mit dem Erlös aus dem Börsengang sollen organisches Wachstum und Zukäufe finanziert sowie Schulden getilgt werden. Über die Höhe des Streubesitzes werden keine Angaben gemacht, ein liquider Handel soll aber gewährleistet sein. Cherry setzte im vergangenen Jahr 130 Millionen Euro um, das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Gesamtabschreibungen (Ebitda) betrug 37,7 Millionen Euro. Vorstandsvorsitzender Rolf Unterberger hofft 2021 auf dank der Dynamik durch Home Office, eSports und Computerspielen auf ein Umsatzplus von 30 bis 40 Prozent.

Bike24 an die Börse zu bringen, das Fahrräder und Zubehör online vertreibt, kündigte der Finanzinvestor Riverside an. Vor der Erstnotiz ist eine Privatplatzierung geplant und eine Kapitalerhöhung über 100 Millionen Euro vorgesehen. Im Gefolge des Börsengangs soll der Streubesitz mindestens 40 Prozent erreichen. Das Dresdner Unternehmen könnte mit mehr als einer halbe Milliarde Euro bewertet werden. Den Umsatz für 2020 gab Bike24 mit 199 Millionen Euro an, das „bereinigte operative Ergebnis“ mit 26,7 Millionen Euro.

Der Vorstandsvorsitzende Andrés Martin-Birner sieht insbesondere Impulse aus dem Zubehörgeschäft: „Ein Fahrrad kauft der Kunde einmal, und dann geht der Kontakt meist verloren“, sagte er vor kurzem der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, „Mit Zubehör ist der Kundenkontakt sehr viel reger.“ Das Interesse an der Fahrradbranche ist derzeit groß. Der Sportrad-Hersteller Canyon wechselte vom amerikanischen Private-Equity-Haus TSG zur belgischen Finanzholding Groupe Bruxelles Lambert (GBL). Der Getriebeteilhersteller hGears, der schätzungsweise ein Drittel des Umsatzes mit der Fahrradbranche erzielt, ging im Mai an die Börse. Reine Fahrradaktien sind in Europa rar. In den Niederlanden werden die Papiere des Marktführers Accell gehandelt.

Die Liste der Börsenaspiranten wird immer länger: Online-Modehändler About You will im Juni 600 Millionen Euro einsammeln. Auch Porsche und die Nutzfahrzeugsparte Daimler Trucks stehen vor der Börsenpforte. Über die Akquisitionsvehikel Spac erwägen Atai Life Sciences aus Berlin sowie die Flugtaxibauer Volocopter und Lilium ein Listing.


Quellverweis — www.faz.net

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