Börsenwoche: Und plötzlich ein Milliarden-Deal

Man darf Anleger auch nicht überfordern. Milliarden-Übernahme schön und gut – aber wenn die Details hinter dem Big Deal allzu kompliziert sind, nehmen die Aktionäre gern mal Reißaus. So geschehen in dieser Woche bei dem bayrischen M-Dax-Unternehmen Morphosys, das sich anschickt, für 1,7 Milliarden Dollar seinen amerikanischen Wettbewerber Constellation Pharmaceuticals zu übernehmen. Das aber nicht einfach so aus der Portokasse, sondern über eine in mehrere Tranchen aufgeteilte Finanzspritze von dem amerikanischen Pharma-Investor Royalty Pharma, der im Gegenzug die Lizenzrechte von einigen Morphosys-Produkten erhält. Um gut 15 Prozent rauschte der Kurs des Biotechnologieunternehmens aus dem Münchener Speckgürtel erst einmal nach unten, auf den tiefsten Stand seit September 2017.

Analyst James Gordon von der amerikanischen Großbank JP Morgan verdaute den Überraschungs-Coup als Erster und zeigte sich schon kurz nach der Bekanntgabe recht optimistisch. Zwar dürfte das Geschäft wohl kurzfristig die Gewinne verwässern, alles in allem sieht er aber „bedeutendes längerfristiges Wertsteigerungspotential“. Inzwischen haben auch die Kollegen von der Deutschen Bank und der Commerzbank das Vorhaben als überwiegend positiv beschieden und trauen Morphosys mit ihren Kurszielen von 116 und 150 Euro offenbar einen erheblichen Kurssprung zu. Am Freitag stieg der Kurs immerhin zeitweise um knapp 4 Prozent auf mehr als 67 Euro.

Vonovia-Kurs erholt sich rasch

Dass die Aktionäre nicht immer so begeistert sind wie die Unternehmenschefs, wenn die ihre Konzerne verloben, hat erst in der vergangenen Woche der Chef des Großvermieters Vonovia erfahren. Auch da führte die Hochzeitsanmeldung mit der Deutsche Wohnen im ersten Moment zu einem satten Kursrutsch von mehr als 5 Prozent, während die Aktie der Braut, also der Deutsche Wohnen, um 15 Prozent in die Höhe schoss. Inzwischen haben aber offenbar auch die Vonovia-Aktionäre Geschmack an der Übernahme gefunden – Anfang dieser Woche hat der Kurs das Niveau von vor der Bekanntgabe schon wieder übersprungen.

Dass Übernahmen keine Selbstläufer sind und längst nicht jede gemeinsame Zukunft so golden glänzt wie von den Topmanagern ausgemalt, wissen natürlich auch die Aktionäre des Bayer-Konzerns. Seit dem Kauf des Agrarchemie-Herstellers Monsanto mit seinem Mega-Rechtsrisiko Glyphosat als Mitgift hat sich der Wert der Aktie halbiert. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass viele Anleger zunächst mit Vorsicht reagieren, wenn ihnen der Vorstand plötzlich einen Milliarden-Deal präsentiert.


Quellverweis — www.faz.net

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