Deutschlands neuer oberster Staatsbanker Stefan Wintels

Fans von Werder Bremen haben gerade nicht viel zu lachen. Insofern kann Stefan Wintels den Stimmungsaufheller gut vertragen: Während sein Herzens-Fußballclub gerade in die Zweite Bundesliga abgestiegen ist, hat sich der im niedersächsischen Nordhorn geborene Bankmanager im Rennen um den Spitzenposten der staatlichen Förderbank KfW durchgesetzt.

Wie am Dienstag bekannte wurde, haben sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nach langem Hin und Her auf den langjährigen Deutschlandchef der amerikanischen Großbank Citigroup geeinigt. Am morgigen Mittwoch soll die Entscheidung vom Kabinett gebilligt werden, die Bestellung durch den KfW-Verwaltungsrat am 23. Juni gilt dann als Formsache.

Gehaltlich eine Verschlechterung

Damit beruft die Bundesregierung einen eingefleischten Investmentbanker an die Spitze ihrer Förderbank, die in der Corona-Krise ein weiteres Mal als Retterin einspringen musste: Mit Hilfskrediten von insgesamt 63 Milliarden Euro hat sie seit Beginn der Pandemie 135.000 corona-geschwächte Unternehmen unterstützt. Auch sonst mischt sie in vielen Bereichen der Wirtschaft mit, unterstützt Hausbauer, Studenten und Mittelständler.

Den vierfachen Vater Wintels dürfte dieses breite Spektrum an Aufgaben ebenso gereizt haben wie die Nähe zur Politik und nicht zuletzt die Machtfülle, die mit dem Vorstandsvorsitz von Deutschlands drittgrößter Bank einhergeht. Auf dem Gehaltszettel dürfte der Wechsel zur Staatsbank ein deutlicher Rückschritt sein. Zwar verdient der bisherige KfW-Chef Günther Bräunig mit rund 800.000 Euro so viel wie kein anderer Staatsbediensteter – Wintels bisheriges Salär wird aber die Millionenmarke deutlich überstiegen haben.

Die Citigroup hat den 54 Jahre alten Manager erst vor gut einem Jahr in das globale Entscheidungskomitee berufen, zum sogenannten Co-Head of Financial Institutions und damit zum ranghöchsten Deutschen in einer internationalen Investmentbank. Vorher war er seit 2013 Deutschlandchef und Vorstandsvorsitzender der Citigroup Global Markets Europe AG. In dieser Funktion hat er maßgeblich dafür gesorgt, dass nach dem Brexit Frankfurt zum wichtigsten Standort der Bank in Kontinentaleuropa wird.

Vor allem beim Einfädeln von Fusionen und Übernahmen hat sich Wintels einen Namen gemacht sowie durch die Privatisierung der Landesbank HSH Nordbank. Dass er aus dieser Zeit eng mit dem damaligen Hamburger Bürgermeister Scholz verdrahtet sei, wird in seinem Umfeld aber heftig dementiert. Vielmehr habe ihn der Staatssekretär im Finanzministerium, Jörg Kukies, auf die Kandidatenliste gesetzt. Der kennt den parteilosen Wintels aus seiner Zeit als Ko-Deutschlandchef von Goldman Sachs.


Quellverweis — www.faz.net

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