Inflation in Deutschland steigt auf 2,5 Prozent

Verbraucher müssen deutlich mehr für die Lebenshaltung zahlen – hier zeichnet sich offenbar auch schon die Aussicht auf ein Ende der Pandemie ab. Die Inflationsrate in Deutschland ist im Mai auf 2,5 Prozent gestiegen. Das teilte das Statistische Bundesamt am Montag nach einer ersten Schätzung mit. Noch im vorigen Jahr waren die Inflationsraten in Deutschland negativ gewesen, die Preise waren im Durchschnitt gesunken. In diesem Jahr stieg die Inflationsrate auf 1 Prozent im Januar, 1,3 Prozent im Februar, 1,7 Prozent im März und 2,0 Prozent im April.

Haupttreiber für die höheren Lebenshaltungskosten waren die Energiepreise. Öl, Heizöl und Benzin waren im vorigen Jahr um diese Zeit wegen des ersten Lockdowns extrem billig gewesen. Es hatte damals wenig Nachfrage gegeben, der Autoverkehr war gering und auch weite Teile der Industrie waren runtergefahren. Seither ist der Ölpreis in kurzer Zeit außergewöhnlich stark gestiegen. Dazu trugen die Hoffnungen auf eine Überwindung der Pandemie ebenso bei wie die künstliche Verknappung der Ölförderung durch das Ölkartells Opec und seine Verbündeten. In Deutschland hat zudem der neue CO2-Preis für den Klimaschutz Benzin und Heizöl um etwa 7 bis 8 Cent je Liter verteuert. Insgesamt stieg der Preis für Benzin auf Jahressicht um mehr als ein Viertel auf zuletzt knapp 1,50 Euro je Liter.

Nahrungsmittel verteuerten sich im Schnitt um 1,5 Prozent. Aus Hessen wurden dazu vom Statistischen Landesamt detailliertere Zahlen veröffentlicht. Teurer als im Vorjahresmonat waren insbesondere Gemüse (plus 2,2 Prozent) sowie Speisefette und -öle (plus 1,5 Prozent), unter anderem stiegen die Preise für Butter um 0,9 Prozent. Brot und Getreideerzeugnisse sowie Molkereiprodukte und Eier kosteten im Durchschnitt jeweils 0,5 Prozent mehr als im Mai 2020. Obst hingegen war rund 0,7 Prozent günstiger als im Vorjahresmonat.

Die Löhne sind kaum gestiegen

International sind zuletzt viele Rohstoffe auffällig im Preis gestiegen, neben Öl beispielsweise auch Eisenerz oder Kupfer. Manche Analysten sprechen schon von einem neuen „Superzyklus“ bei Rohstoffen. Auch viele Preise rund um das Bauen haben spürbar zugelegt: Bauunternehmen berichten beispielsweise zum Teil von einer Verdoppelung des Preises für Bauholz. Die Rede ist von „Bauflation“.

Hingegen sind die Löhne in Deutschland wegen der Pandemie in letzter Zeit nicht besonders stark gestiegen, das begrenzt die Inflation. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Tarifverdienste im Schnitt im ersten Quartal 2021 um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Es bleibt spannend, ob die Gewerkschaften bei den nächsten Tarifverhandlungen die höhere Inflation für höhere Lohnforderungen nutzen – und sich damit durchsetzen können.

„Die großen Treiber der Inflation sind die Ölpreise und andere Sondereffekte“, sagte Holger Schmieding, der Chefvolkswirt des Bankhauses Berenberg. Die detaillierteren Daten für Nordrhein-Westfalen zeigten einen Anstieg der Heizölpreise um 16,2 Prozent gegenüber Vorjahr im Mai, nach 8 Prozent im April. Bei Kraftstoffen habe sich die Inflationsrate von 23,9 auf 28,4 Prozent beschleunigt. „Auch bei Pauschalreisen sehen wir einen kräftigen Anstieg des Preisauftriebs auf 7,4 Prozent im Mai nach minus 3,1 Prozent im April und minus 1,9 Prozent im März“. Teilweise seien das wohl Saisoneffekte. „Aber vor allem zeigt sich, dass Urlaub wieder möglich wird – wie erwartet, ziehen die Preise dabei an.“ Das sei aber ein einmaliger Effekt des Wiederöffnens. 


Quellverweis — www.faz.net

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