Neue Anleihen: Mehr Zins in Birkenstock-Sandalen

Unter den jüngsten Emissionen an Unternehmensanleihen sticht der Name Birkenstock hervor. Die Anleihe mit achtjähriger Laufzeit dürfte für die meisten Privatanleger angesichts eines Mindestanlagevolumens von 100.000 Euro kein Thema sein, auch wenn der Zinskupon von 5,25 Prozent lockend wirkt. Jedoch sind solche Zinsen eindeutiger Beweis für das erhöhte Risiko des Emittenten. Denn der deutsche Sandalenhersteller zählt mit seinem Rating – bei Standard&Poor’s (S&P) nur „CCC+“ – zu einer gefährlichen, weil ausfallgefährdeten Risikoklasse. Die Anleihe über 430 Millionen Euro dient neben weiteren Krediten zur Finanzierung der Birkenstock-Übernahme durch die französisch-amerikanische Beteiligungsgesellschaft L Catterton, die mit dem französischen Luxuskonzern LVMH eng verbunden ist.

Wie die F.A.Z. Ende Februar berichtet hatte, ist Birkenstock in der Übernahme nach Angaben aus Branchen- und Finanzkreisen mit vier Milliarden Euro bewertet worden. Das Beispiel des ehemaligen deutschen Familienunternehmens ist deshalb so interessant, weil es zeigt, dass am Markt für hochverzinsliche Unternehmensanleihen durchaus prominente Emittenten vertreten sind.

Chance für Kleinanleger

Die sogenannten High Yield Bonds erfreuen sich unter Investoren derzeit größter Beliebtheit, weil sich damit höhere Zinsen erzielen lassen. Und für Privatanleger öffnet sich hier eine Tür, um dann doch zumindest indirekt an der Birkenstock-Anleihe teilhaben zu können. Es gibt zahlreiche darauf spezialisierte Fonds, die zudem den Vorteil haben, das Risiko auf eine Vielzahl von Emittenten zu verteilen. Dann lässt sich auch ein Ausfall verschmerzen. Hochverzinsliche Unternehmensanleihen betrachtet Commerzbank-Stratege Marco Stoeckle derzeit deshalb als attraktiv, weil das Risiko-Ertrags-Verhältnis hier attraktiver ist als bei den investitionswürdigen Unternehmensanleihen. Als „Investment Grade“ gelten Emittenten, deren Kreditwürdigkeit zum Beispiel von S&P mit mindestens „BBB-“ bewertet wird.

Jedoch nehmen die Sorgen zu, insbesondere in den Vereinigten Staaten. Dort sind die Risikoaufschläge für die riskantesten Unternehmensanleihen (Ratings im Bereich „CCC“ so wie Birkenstock) auf unter 5,0 Prozentpunkte gesunken. Das gab es in den vergangenen Jahren nur zweimal, kurz vor der Finanzkrise 2008 und vor dem Platzen der Dotcom-Blase 2000. Die Flut an Zentralbankgeld hebt alle Boote, auch die klapprigen Kähne im High-Yield-Bereich. Dem Sandalenhersteller Birkenstock soll es auch noch gelungen sein, in der Emission Bedingungen durchzusetzen, die es Hedgefonds erschweren, mit Kreditausfallversicherungen (CDS) auf einen Zahlungsausfall zu wetten. Die Jagd nach Rendite bringt auch Emittenten mit hohem Ausfallrisiko in eine komfortable Position.


Quellverweis — www.faz.net

Releated

Sparkasse Köln-Bonn stoppt Gebührenerhöhung für Girokonten nach BGH-Urteil

Die Sparkasse Köln-Bonn stoppt ihre umstrittene Erhöhung der Gebühren für das Girokonto. Wie ein Sprecher des Instituts sagte, reagiert die Sparkasse damit auf das jüngste Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH). Das Gericht hatte die Praxis vieler Banken für unzulässig erklärt, auch recht weitgehende Änderungen ihrer Allgemeinen Geschäftsbedingungen den Kunden per Brief oder Mail mitzuteilen und dann […]

Bafin will Bargeld-Einzahlungen erschweren

Bargeld bei Kreditinstituten einzuzahlen, dürfte durch das Mitte Februar beschlossene Geldwäschegesetz deutlich erschwert werden. Davor haben der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) sowie der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) am Freitag gewarnt.  Demnach verlangt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in ihrem Entwurf zu den Auslegungs- und Anwendungshinweisen zum Geldwäschegesetz für Kreditinstitute schärfere Vorgaben. So […]