Die Bilanzsummen der Notenbanken sind gefährlich hoch

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor 13 Jahren sind die Bilanzsummen vieler Notenbanken in einem bis dahin nicht vorstellbaren Ausmaß gestiegen. Die geldpolitischen Programme zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie haben diesen Anstieg in den vergangenen zwölf Monaten noch einmal akzentuiert. Die Bilanzsumme der EZB ist seit der Finanzkrise von 1,5 Billionen Euro auf gut 7 Billionen Euro gestiegen; die Bilanzsumme der amerikanischen Federal Reserve nahm im gleichen Zeitraum von 800 Milliarden Dollar auf 7,7 Billionen Dollar zu.

Früher dachte man, die Inflationsrate werde wesentlich vom Wachstum der Bilanzsumme einer Notenbank bestimmt; solche Ideen finden sich manchmal noch heute in Deutschland. Tatsächlich ist die Inflationsrate seit langem trotz des starken Bilanzsummenwachstums nicht nur in Europa niedrig geblieben. Folgt man einer vor allem in der englischsprachigen Welt verbreiteten Auffassung, muss man sich auch künftig keine Gedanken um einen Zusammenhang von Notenbankbilanz und Inflationsrate machen – sofern die Notenbank die bei ihr von Geschäftsbanken gehaltenen Guthaben mit einem attraktiven Satz verzinst, was zumindest früher unüblich war. (Die Guthaben der Geschäftsbanken machen den größten Teil der Passivseite einer Notenbankbilanz aus.)

Damit soll die Kreditvergabe der Geschäftsbanken an ihre Kunden gebremst werden. In der Eurozone ist dieser Zinssatz zum Ärger der Geschäftsbanken seit längerer Zeit negativ; das heißt, sie müssen auf ihre Guthaben bei der EZB Zinsen zahlen.

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F.A.Z.-Serie Schneller Schlau
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So funktioniert Inflation
Bild: F.A.Z.

In mehreren Veröffentlichungen hat die Federal Reserve Bank of St. Louis beschrieben, wie Geldpolitik mit einer dauerhaft sehr großen Notenbankbilanz ohne Gefahr für den Geldwert betrieben werden kann. Ihre Autoren beklagen, dass diese modernen Verfahren der Geldpolitik in Lehrbüchern kaum zu finden seien; tatsächlich verdienen diese Konzepte eine kritische Debatte. Ob diese „neue Geldpolitik“ das Inflationsgespenst zuverlässig fernhält, wird sich allerdings erst dann zeigen, wenn Inflation ernsthaft droht.


Quellverweis — www.faz.net

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