Toshiba prüft Rückzug von der Börse

Der japanische Toshiba-Konzern prüft ein fast 18 Milliarden Euro schweres Kaufangebot der europäischen Beteiligungsgesellschaft CVC Capital Partners, um die Börse zu verlassen. Toshiba bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei. Der Rückzug von der Börse wäre ein überraschender Dreh in der seit Jahren andauernden Saga um das japanische Traditionsunternehmen, das nach einem Bilanzskandal im Jahr 2015 ins Schlingern gekommen ist. Die Entwicklung entbehrte auch nicht der Ironie, nachdem Toshiba in den vergangenen Jahren sich besonders angestrengt hatte, um den Rauswurf von der Börse zu vermeiden.

CVC denkt nach Medienberichten an einen Aufschlag von 30 Prozent auf Toshibas Aktienkurs. Das entspräche auf Basis des Schlusskurses von Dienstag einem Wert von fast 2,3 Billionen Yen (17,7 Milliarden Euro). Andere Investoren sollen mit eingebunden werden. Der Handel mit der Aktie Toshibas wurde am Mittwoch ausgesetzt, nachdem der Kurs um 18 Prozent gestiegen war. Das Unternehmen habe das Angebot am Dienstag erhalten, werde weitere Klärungen einholen und das Angebot sorgfältig prüfen, hieß es in einer Stellungnahme. Toshibas Chef und Präsident Nobuaki Kurumatani sagte vor Journalisten, der Verwaltungsrat werde das Angebot am Mittwoch diskutieren.

Kurutami, der erst vor drei Jahren als erster Externer nach mehr als 50 Jahren die Führung von Toshiba übernommen hatte, leitete früher selbst das Japan-Geschäft von CVC. Ein weiteres Mitglied des Toshiba-Verwaltungsrats, Yoshiako Fujimori, ist ein Berater der Beteiligungsgesellschaft. Das Angebot der ausländischen CVC bedürfte der Zustimmung durch das Finanzministerium, weil Toshiba in sensible Wirtschaftsbereiche wie die Nuklearenergie eingebunden ist. Toshiba müsste sicherstellen, dass seine Infrastrukturarbeiten in Japan nicht gestört würden, sagte ein Regierungssprecher.

Der Konzern ist eines der wenigen Unternehmen Japans, das keine Kraftwerke bauen kann und das in den Betrieb der japanischen Reaktoren eingebunden ist. Toshiba baut auch Batterien für Japans Unterseebote. Würde Toshiba sich von der Börse wegkaufen lassen, könnte es Ärger mit aktivistischen ausländischen Aktionären vermeiden, von dem es in den vergangenen Jahren einigen gab. Die Entscheidung ist so auch ein Test dafür, wie ernst in Japan die Stimme von Anteilseigner gesehen wird.

Sieg für Aktionärsdemokratie

Erst im März hatten die Anteilseigner des Unternehmens auf einer außerordentlichen Hauptversammlung auf Antrag des Hedgefonds Effissimo Capital Management aus Singapur eine externe Untersuchung über Unregelmäßigkeiten während der regulären Hauptversammlung im vergangenen Jahr beschlossen. Die Entscheidung galt als ein Sieg der Aktionärsdemokratie in Japan.

Toshiba war nach Bilanzfälschungen, die 2015 aufgedeckt wurden, und nach dem Konkurs der amerikanischen Nuklear-Tochtergesellschaft Westinghouse in schweres Fahrwasser geraten. Um das Unternehmen zu sichern, verkaufte Toshiba mit dem Speicherchips-Geschäft an eine Investorengruppe um die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Bain Capital das Tafelsilber. Um 2017 den Rauswurf von der Tokioter Börse zu verhindern nahm Toshiba 600 Milliarden Yen (rund 4,6 Milliarden Euro) Kapital durch die Ausgabe neuer Anteilscheine auf. Durch diese Transaktion holte sich das Unternehmen viele ausländische Beteiligungsfonds als Aktionäre ins Boot.


Quellverweis — www.faz.net

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