Großaktionär fordert „Teamplayer“ für die Aareal-Bank

Mitten in der Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden für die Aareal-Bank gerät nun die Aufsichtsratschefin Marija Korsch unter Druck. Der schon bislang unbequeme aktivistische Investor Petrus Advisers hat seine Anteile an dem Wiesbadener Immobilienfinanzierer mit Hilfe von Derivaten auf 9,4 Prozent aufgestockt und fordert nun den Rücktritt der Aufsichtsratsvorsitzenden sowie den Austausch zweier weiterer Aufsichtsräte.

Damit eskaliert ein schon länger mehr oder weniger offen ausgetragener Streit zwischen dem Investor und der Führungsriege der vor kurzem vom M-Dax in den S-Dax abgestiegenen Bank. „Wir denken, dass der Aufsichtsratsvorsitzende ein Teamplayer sein sollte, der mit den anderen Gremiumsmitgliedern und den wichtigen Investoren zusammenarbeitet“, sagte Till Hufnagel, Partner von Petrus Advisers, im Gespräch mit der F.A.Z. „Das sehen wir bei Frau Korsch eher nicht.“ Der Investor habe daher der Bank drei neue Aufsichtsratsmitglieder vorgeschlagen, die er für „extrem geeignet“ halte, die weitere Strategie voranzutreiben. „Und wir haben auch gesagt, in welchen Ausschüssen sie sitzen sollten.“

„Überdimensionierte Gehälter“

Dass das Verhältnis zwischen Korsch und dem Investor zerrüttet ist, ist schon länger bekannt. Erst im Februar hatten Hufnagel und der Chef von Petrus, Klaus Umek, per öffentlichem Brief schwere Vorwürfe gegen Korsch und den interimistisch zum Chef ernannten Finanzvorstand Marc Heß erhoben. Im Kern wünscht sich der Hedgefonds höhere Renditen, indem die Kosten konsequenter gesenkt und das Geschäft unabhängiger vom niedrigen Zinsniveau gestaltet werden sollten. Unter anderem kritisierten sie „dramatisch überdimensionierte Gehälter und Pensionszusagen“. Ein von der Unternehmensberatung McKinsey ausgearbeitetes Zukunftsprogramm taten die Investoren als „more of the same“ ab. Unternehmerisches Handeln könne man nicht einfach an Berater auslagern, schrieben sie.

Zwist gibt es auch um den Umgang mit dem Vorstandsvorsitzenden Hermann Merkens, der im November überraschend eine schwere Erkrankung bekanntgab und zunächst für drei bis vier Monate ausfallen sollte. Vor drei Wochen gab die Bank dann bekannt, dass Merkens vorerst nicht zurückkomme und man die Nachfolgersuche nun vorsorglich forciere. Hufnagel ist das zu zaghaft: „Frau Korsch hält an Merkens fest, obwohl unklar, ist ob und wann er zurückkehrt. In der Nachfolgesuche setzt sie keine eigenen Akzente.“

Kommt es zum Showdown?

Hufnagel betonte, dass dieses Mal nicht Petrus seine Vorschläge öffentlich gemacht habe, sondern dass der Investor das Thema gern intern geklärt hätte. Öffentlich machte die Aareal-Bank das Ansinnen mit seiner Ad-hoc-Meldung. Die Bank wollte den Vorgang am Dienstag nicht weiter kommentieren. Man prüfe die Vorschläge zunächst, sagte ein Sprecher.

Die 73 Jahre alte Amerikanerin Korsch, die früher Partnerin im Bankhaus Metzler war, leitet den Aufsichtsrat seit neun Jahren und ist noch bis 2023 bestellt. Interessant wird nun, ob sie es zum Showdown mit Kampfabstimmung auf der für den 18. Mai angesetzten Hauptversammlung kommen lässt. Dass die Bank sich auch ohne Beschlüsse der Hauptversammlung im Sinne der Aktivisten entwickeln kann, hat sich schon gezeigt: So hat die Aareal im vorigen Jahr einen Anteil ihrer IT-Tochtergesellschaft Aareon an den Finanzinvestor Advent verkauft, was Petrus und der ebenfalls aktivistische Großaktionär Teleios zuvor in ähnlicher Form gefordert hatten. Kritisiert hatte Petrus auch, dass der Vorstand zu groß sei. Eine Verkleinerung wird nun geprüft.

Verständnis von anderen Investoren

Auch von anderen wichtigen Investoren war am Dienstag auf Nachfrage durchaus Verständnis für die Vorschläge von Petrus zu vernehmen. Vor allem mehr IT-Expertise könne dem Aufsichtsrat guttun, hieß es. Und auch mit der Kritik an dem Vergütungssystem der Bank ist Petrus nicht allein. Die Anteile an der Bank sind zu 100 Prozent im Streubesitz, größere Pakete liegen vor allem bei Fondsgesellschaften, insbesondere bei der Deka, bei Allianz Global Investors und Blackrock. Das macht Vorhersagen über das Abstimmungsverhalten im Falle eines Falles schwierig.

An der Börse war die Reaktion auf die Petrus-Vorstöße positiv. Am Dienstag legte der Aktienkurs um 2,3 Prozent zu. Bei rund 25 Euro steht der Kurs aber noch fünf Euro unter dem Niveau vor der Corona-Krise. Die Pandemie hat dem Finanzierer von Hotels, Bürogebäuden und Einkaufszentren schwer zugesetzt. Die Aussicht auf eine Überwindung der Seuche sorgt aber für Hoffnung. Allein seit Ende Januar haben sich die Aktien um mehr als ein Viertel verteuert. 


Quellverweis — www.faz.net

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