Viele Banker zieht es zu Fintechs mit Wertpapiergeschäft

Die Wechsel von Bankvorständen zu jungen oder nicht mehr ganz so jungen Finanztechnikunternehmen (Fintechs) nehmen zu. Die jüngsten Beispiele dafür sind Markus Pertlwieser und Matthias Hach. Sie reihen sich ein in eine schon längere Liste nicht immer freiwilliger Abgänge aus Banken in die verwandte, noch kleinere, aber vielfach dynamischere Fintech-Branche. Sieht man sich das Geschäft der Fintechs, für die frühere Bankvorstände inzwischen arbeiten, genauer an, entdeckt man manche Schwachstelle der Banken. Eine kleine Gegenbewegung von Fintech-Gründern, die zuletzt in Bankkonzerne wechselten, zeigt aber auch: Wo reagieren Banken, wo wollen sie wegbrechendes Geschäft halten oder sogar zurückholen?

Der frühere Digital-Chef des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank Pertlwieser ist nach mehrmonatiger Auszeit seit 15.Februar Vorstandsvorsitzender der Penta GmbH, die Online-Konten und KfW-Kredite über Smartphone-Apps für bisher 25000 Geschäftskunden und kleine Unternehmen anbietet. Der langjährige Comdirect-Vertriebsvorstand Hach wechselt zum 1.März von der Commerzbank, die bekanntlich die Comdirect als eigenständiges Unternehmen im Herbst 2020 aufgegeben hat, als Vorstandsvorsitzender zur 200 Mitarbeiter beschäftigenden Wallstreet-Online-Gruppe. Beide Manager reizt dem Vernehmen nach, künftig außerhalb großer Bankkonzerne stärker unternehmerisch zu agieren.

Markus Pertlwieser
:

Bild: Patrick Junker

Seit der Finanzkrise schrumpft die Bankenbranche. Zunächst reagierten manche Banker auf Arbeitsplatzabbau und auf als einengend empfundene neue Regeln der Bankenaufsicht, indem sie sich mit Hedgefonds oder Beteiligungskapital selbständig machten. Nun locken Fintechs, von denen viele (noch) keine Banklizenz haben und damit weniger Vorschriften erfüllen müssen.

Viele Bankvorstände sind frustriert darüber, wie langsam sich die Digitalisierung in Kreditkonzernen umsetzen lässt. Fintechs können Banken als Kooperationspartner helfen, darin schneller aufzuholen. Fintechs sind aber auch dabei, Banken digitalaffine Kunden ganz abzujagen. Wer wüsste das besser als frühere Bankvorstände?

Gerade die Wertpapierbrokerbranche, der Comdirect-Vorstand Hach mit seinem Wechsel zu Wallstreet Online treu bleibt, ist erkennbar in Bewegung. Nach dem Siegeszug der Direktbanken wie ING, DKB, Consors und Comdirect in den nuller Jahren ist nun eine neue Generation an Wertpapierbrokern entstanden, die kostengünstiger sind als die alten. Die Kunden bekommen meist nur eine Smartphone-App, über die sie ihr Depot einsehen und Wertpapierkäufe und -verkäufe ausführen. Auch Flatexdegiro, obwohl schon 1999 gegründet, wirkt  inzwischen so modern und aggressiv, als gehörte es  zur jungen Garde der Neobroker, die Robinhood und hierzulande Traderepublic anführen.

Frank Niehage

Frank Niehage
:

Bild: Renate Hoyer

Flatexdegiro wird von einem ehemaligen Bankvorstand geführt. Seit 2014 amtiert als Vorstandsvorsitzender Frank Niehage, der zuvor für Goldman Sachs tätig war und 2012 als Deutschland-Chef die Schweizer Bank Sarasin „wegen unterschiedlicher Auffassung bezüglich der zukünftigen strategischen Ausrichtung“ verließ. Flatexdegiro hat sei längerem  eine Trading-App im Angebot – und ist an der Börse mit 2,5 Milliarden Euro mit gut einem Drittel der Commerzbank bewertet. Deren früherer Direktbank-Vertriebsvorstand Hach soll nun für das Internetfinanzportal Wallstreet Online die im Dezember 2019 gestartete Wertpapierhandelsplattform Smartbroker voranbringen. Hachs früherer Comdirect-Vorstandskollege Dietmar von Blücher wechselte schon im November 2020 als Finanzvorstand zur Baader Bank, die als Depotführer und Wertpapierabwickler für Fintechs und Neobroker vom gestiegenen Wertpapierinteresse vieler junger Leute profitiert.


Quellverweis — www.faz.net

Releated

Beiersdorf droht Abstieg aus dem Dax

Der Dax bald ohne Nivea? Bild: dpa Die Commerzbank ist schon länger draußen, und die Rückkehr in den Dax wird für sie schwierig. Auch Quintet (Merck Finck), Blackfin, Arabesque und Feri machen mit Personalien und Zukäufen von sich reden. Schon gehört, dass…? … der Konsumgüterhersteller Beiersdorf („Nivea“, „Hansaplast“, „Tesa“) derzeit der am niedrigsten bewertete Dax-Konzern […]

Aktien von Tech-Unternehmen

New Wafer: Ein Infineon-Produkt aus dem Halbleitermaterial Siliziumkarbid, das in Zukunft eingesetzt wird. Bild: Foto: Infineon Im Smartphone, im Auto, in der Fabrik: Überall werden Halbleiter gebraucht. Kein Wunder, dass sich Anleger um die Aktien von Infineon & Co. reißen. Kleine Dinge bereiten der Wirtschaft gerade großes Kopfzerbrechen. Weil es an Chips fehlt, müssen Autohersteller […]