Die Banken werden bei der Kreditvergabe strenger

Die Banken in der Eurozone haben ihre Standards für die Kreditvergabe weiter verschärft. Die internen Vergaberegelungen seien im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal unter dem Strich strenger ausgefallen, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag in Frankfurt mit. Die Verschärfung betreffe sowohl Kredite an Unternehmen als auch Darlehen an Verbraucher, etwa zum Hauskauf.

Die konkreten Vergabebedingungen in den Kreditverträgen seien ebenfalls verschärft worden, ergänzte die EZB. Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten sei weiter zurückgegangen, die Nachfrage nach Immobiliendarlehen sei dagegen abermals gestiegen. Verbraucherkredite, etwa zum Autokauf, seien unter dem Strich weniger als im Vorquartal nachgefragt worden.

Die Ergebnisse beruhen auf einer regelmäßigen Umfrage, dem „Bank Lending Survey“. Die EZB befragt in dieser Erhebung die Banken im Euroraum einmal pro Quartal nach ihrer Kreditvergabe. Sie erhofft sich davon etwa Hinweise für ihre Geldpolitik.

Im vergangenen Jahr hatten viele Banken auf Anfrage bestritten, konkret bei der Vergabe von Darlehen für den Hausbau wegen der Corona-Pandemie schon restriktiver geworden zu sein. Die meisten gaben aber an, grundsätzlich vorsichtig zu sein und für mögliche künftige Ausfälle Vorsorge zu tragen. „Wie bei jeder Kreditanfrage ist vor allem die Nachhaltigkeit des Einkommens wichtig“, hatte es geheißen. „Schwierig ist die aktuelle Situation vor allem für diejenigen, die wenig oder kein Eigenkapital besitzen“, sagte Max Herbst von der FMH-Finanzberatung.

EZB hatte vor schärferen Kreditvergabe-Standards gewarnt

Die EZB hatte in ihrem Finanzstabilitätsbericht im November vor Gefahren für die Finanzstabilität in Europa durch Folgen der Corona-Krise gewarnt und damit die Kurse von Bankaktien zeitweise auf Talfahrt geschickt. Ein vorschnelles Ende der Hilfen könnte Unternehmen und Haushalte unter Druck setzen, hatte die EZB gemeint. „Die Rentabilität der Banken wird voraussichtlich schwach bleiben“, sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos bei der Vorstellung des Berichts. Die Hilfsprogramme verlängerten wohl den Zeitraum, bis sich eine schwache Wirtschaftsleistung in Kreditausfällen widerspiegele.

Die Notenbank verglich die Situation mit der globalen Finanzkrise 2008/2009. Sie hob hervor, dass die Banken besser aufgestellt seien und höhere Risikopuffer hätten. Diese könnten zunächst Verluste ausgleichen und die Kreditvergabe damit auch über einen längeren Zeitraum sicherstellen. Gleichwohl könnten die Unternehmen als Kunden der Banken unter Umständen jetzt sogar verwundbarer sein als in der Finanzkrise. Eine Welle von Insolvenzen und Kreditausfällen könnte zur Belastung für die besagte Branche werden.

Ausgiebig befasste die EZB sich damals mit dem europäischen Markt für Wohnimmobilien. Die Preise für Wohnimmobilien seien bislang anders als die für Gewerbeimmobilien in der Corona-Krise nicht gesunken, sondern sogar weiter gestiegen. Die Notenbank hält es aber für möglich, dass die Folgen der Pandemie einfach am Gewerbeimmobilienmarkt schneller wirken und dass Auswirkungen auf den Markt für Wohnimmobilien noch bevorstünden. „Es besteht das Risiko einer Korrektur“, schreibt die EZB. Ob die Preise standhielten, hänge nun davon ab, wie stark die Arbeitslosigkeit in der Krise zunehme und in welchem Umfang die Haushaltseinkommen bei einer Rücknahme der staatlichen Hilfen sinken.

Niedrigen Zinsen stützen die Nachfrage

Die bislang auf den Märkten für Wohnimmobilien beobachtete Widerstandsfähigkeit gegenüber der Pandemie hängt nach Einschätzung der Notenbank mit drei Faktoren zusammen. Erstens hätten staatliche Hilfen und Moratorien die Auswirkungen der Krise auf die Zahlungsfähigkeit privater Haushalte verringert. Zweitens stützten die niedrigen Zinsen die Nachfrage. Und drittens könnten Preise, die jetzt in die Statistik einfließen, zum Teil noch vor der Krise festgelegt worden sein. Dann sehe man also die Folgen der Pandemie nur noch nicht.

Die EZB warnt jedenfalls, dass Frühindikatoren zumindest einen unsicheren Ausblick auf die Immobilienpreisentwicklung gäben. Belastende Faktoren könnten der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts, ein sinkendes Verbrauchervertrauen und Sorgen über die Sicherheit des Arbeitsplatzes sein. „Strengere Kreditvergabestandards und eine nachlassende Nachfrage könnten die für 2021 erwartete Verlangsamung des Immobilienzyklus im Euroraum beschleunigen“, meinte die EZB.

In einigen Ländern des Euroraums mache eine hohe Verschuldung der privaten Haushalte den Immobilienmarkt noch anfälliger. In manchen Eurostaaten liege das Verhältnis von Schulden zum verfügbaren Einkommen der Haushalte mittlerweile bei 100 Prozent und mehr, und es gebe zunehmend Anzeichen für eine Überbewertung von Immobilien. Die größten Preisübertreibungen sieht die EZB dabei derzeit in Luxemburg. Die Niederlande hingegen wiesen die höchste Verschuldung der Haushalte auf. Deutschland liegt in dieser Aufstellung der EZB für die Bewertung der Wohnimmobilien mit in der obersten Gruppe — bei der Verschuldung der Haushalte, gemessen am Einkommen, dagegen eher noch am unteren Rand.


Quellverweis — www.faz.net

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