Was die Finanzmärkte von Armin Laschet halten

Auch die Analysten an den Finanzmärkten hat am Montag die Wahl von Armin Laschet zum CDU-Vorsitzenden beschäftigt. Wenn auch die unmittelbaren Auswirkungen einer solche Wahl auf die Kurse vermutlich eher gering sein dürften, gab es doch einige Studien, die sich mit den Folgen beschäftigten.   

„Devisenmärkte mögen Kontinuität“, schrieb die VP Bank in Liechtenstein mit Bezug auf die künftige Entwicklung des Euro-Wechselkurses. „Mit einem deutlichen Bruch der Politik Angela Merkels ist nicht zu rechnen.“ In der anstehenden Handelswoche an den Finanzmärkten werde aber der Wechsel in Amerika größere Auswirkungen haben: „Die Amtseinführung Joe Bidens steht im Mittelpunkt – an den Finanzmärkten wartet man gespannt auf nähere Details zu einem großen amerikanischen Infrastrukturprogramm.“

„Laschet wird ähnlich wie Merkel den Fokus darauf setzen, die Europäischen Union und die Währungsunion zusammenzuhalten und dafür notfalls auch Finanzmittel zur Verfügung zu stellen“, meinte Stefan Schneider, Deutschland-Chefvolkswirt der Deutschen Bank. „Merz wäre da wohl zurückhaltender gewesen“, sagte Schneider. „In der kurzen beziehungsweise mittleren Frist sollte das dem Euro helfen.“ Allerdings habe der Dollar mit dem „blue sweep“, also der Aussicht auf ein noch größeres Fiskalpakt und der damit anlaufenden Debatte über ein früheren Tapering seitens der amerikanischen Notenbank sowie dem schnelleren Impfstart in den Vereinigten Staaten kurzfristig eher wieder etwas an Boden gewonnen.

Die Wahl des Parteivorsitzenden der CDU sei für die Finanzmärkte nicht die entscheidende Frage, meinte hingegen Gertrud Traud, die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Hier treffe das Börsensprichwort „politische Börsen haben kurze Beine“ mal wieder zu. „Viel wichtiger ist, wen die CDU/CSU als Kanzlerkandidat aufstellen wird und wie das Wahlprogramm aussehen wird“, meinte Traud: „Diesbezüglich müssen wir uns wohl noch etwas gedulden.“

An den Aktienmärkten spiele die Wahl aktuell „keine Rolle“, meinte Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. Zum einen hätten die meisten mit einem knappen Sieg Laschets gerechnet. Zum anderen seien die meisten Anleger schon vor der Wahl Laschets davon ausgegangen, dass eine schwarz-grüne Koalition nach der Bundestagswahl das wahrscheinlichste Szenario sei. „Reagieren würden die Märkte wohl nur, wenn es wider Erwarten zu einer grün-rot-roten Koalition mit deutlich höheren Steuern und hemmenden Regulierungen für die Unternehmen käme.“

In Bezug auf die politischen Prioritäten dürfte Laschet der Industriepolitik wegen des Strukturwandels in Nordrhein-Westfalen besondere Aufmerksamkeit schenken, schreibt die Deutsche Bank in einer Studie. Im ZDF-Interview habe Laschet zudem eine politische Verpflichtung für das Homeoffice abgelehnt und eine weniger politisch motivierte Diskussion über den Mindestlohn gefordert. Er sei ein engagierter Unterstützer der europäischen Integration und der Zusammenarbeit mit Frankreich: „Das Post-Merkel-Profil der Partei für den bevorstehenden Wahlkampf zu schärfen wird eine große Aufgabe für die neue Parteiführung sein.“


Quellverweis — www.faz.net

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