JP Morgan macht 2020 so viel Gewinn wie noch nie im vierten Quartal

JP Morgan Chase hat einen spektakulären Strich unter die Bilanz des Corona-Jahres 2020 gezogen. Wie die amerikanische Großbank am Freitag mitteilte, verdiente sie allein im vierten Quartal 12,1 Milliarden Dollar (10,0 Milliarden Euro). Damit schwoll der Nettogewinn im Gesamtjahr auf 29,1 Milliarden Dollar an. Das entspricht zwar einem Gewinnrückgang im Jahresvergleich um 20 Prozent. Aber das vierte Quartal 2020 gilt nun als das beste in der Geschichte des im Jahr 2000 aus der Fusion der beiden Banken Chase Manhattan und JP Morgan & Co. hervorgegangenen Instituts.

Jamie Dimon, der JP Morgan seit 2005 als Vorstandsvorsitzender führt, sprach von „starken Ergebnissen“ zum Abschluss eines herausfordernden Jahres. Tatsächlich fiel JP Morgans Quartalsgewinn je Aktie mit 3,79 Dollar um 50 Prozent höher aus als von Analysten zuvor erwartet. Gegenüber dem Vorjahresquartal legte der Gewinn um 42 Prozent zu. Dahinter verblassten die ebenfalls am Freitag veröffentlichten Geschäftszahlen des Konkurrenten Citigroup. Diese Bank verdiente im vierten Quartal 4,6 Milliarden Dollar, 7 Prozent weniger als im Vorjahresquartal.

Dieses vierte Quartal ist ungewöhnlich

Normalerweise gehört das vierte Quartal bei Banken zu den schwächsten. Denn oft wird erst am Jahresende Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite getroffen. Außerdem verliert das Investmentbanking an Schwung, da Unternehmenskäufe (M&A) und Börsengänge kaum stattfinden und Firmenkunden daher die Banken als Berater selten brauchen. Im Corona-Jahr war das anders: JP Morgan und auch Citigroup profitieren enorm davon, dass sie zuvor getroffene Vorsorgerückstellungen für faule Kredite wieder auflösen konnten. Und das M&A-Geschäft ging rund um Weihnachten munter weiter, wovon beide Banken allerdings unterschiedlich profitierten.

Dank der um fast 20 Prozent höheren Erträge im Investmentbanking steigerte JP Morgan die Erlöse im vierten Quartal insgesamt um 3 Prozent. Die Bank machte damit einen Rückgang von 8 Prozent im Privatkundengeschäft wett, das unter den tiefer gefallenen Zinsen litt. Citigroup dagegen enttäuschte auch im Investmentbanking mit einer Ertragssteigerung von 7 Prozent im Handelsgeschäft mit Anleihen und Währungen, wo sie mit der Deutschen Bank konkurriert. Citis Erträge stiegen dagegen um stolze 57 Prozent im Aktienhandelsgeschäft, aus dem sich die Deutsche Bank zurückgezogen hat.

Auf und Ab im Kreditgeschäft  

Besonders im Fokus in der Corona-Krise steht das Kreditgeschäft der Banken. Zur Erinnerung: JP Morgan hatte allein im zweiten Quartal 2020 für ausfallgefährdete Kredite 10,5 Milliarden Dollar zurückgestellt, Citi immerhin fast 8 Milliarden Dollar. Damit reagierten die Banken auf die Corona-Pandemie, weil viele arbeitslos gewordene Amerikaner ihre Kreditkartenschulden schwerer bedienen können. Auch Unternehmen gerieten in Zahlungsschwierigkeiten, Öl-Förderer („Fracker“) noch zusätzlich wegen des im April sogar kurz unter 0 Dollar gefallenen WTI-Ölpreises. Nun aber konnte JP Morgan im vierten Quartal 2,9 Milliarden Dollar wieder auflösen, Citi immerhin 1,3 Milliarden Dollar. Diese Beträge kamen den Quartalsgewinnen zugute. Die wirtschaftlichen Aussichten besonders für die Unternehmen hätten sich inzwischen verbessert, hieß es zur Begründung. Doch immerhin fast 31 Milliarden Dollar an Risikovorsorge für faule Kredite blieben für 2020 in JP Morgans Konzernbilanz stehen.


Quellverweis — www.faz.net

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