Was Analysten für die SAP-Aktie erwarten

Europas größter Softwarehersteller hat ein schwieriges Jahr mit einem ordentlichen Schlussquartal beendet. SAP hatte am Vorabend überraschend vorläufige Zahlen für das Schlussquartal vorgelegt und einen Ausblick auf 2021 gleich mitgeliefert. Nach einem verhaltenen dritten Quartal hatte der Dax-Konzern im Schlussquartal trotz Corona-Krise und Lockdowns in manchen Absatzregionen wieder einen besseren Lauf. Die Prognose für 2021 fiel im Rahmen der Analystenerwartungen aus.

Den vorläufigen Zahlen zufolge lag das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern zwischen Oktober und Ende Dezember mit 2,77 Milliarden Euro rund 3 Prozent unter dem Vorjahreswert – das war aber deutlich besser als von Analysten geschätzt, weil vor allem die Lizenzverkäufe im vierten Quartal nicht so stark fielen wie in der Corona-Krise befürchtet. Gleichzeitig zogen die Clouderlöse gegenüber dem Vorjahresquartal weiter an. Der Umsatz insgesamt sank um 6 Prozent auf 7,54 Milliarden Euro.

Im wichtigen Cloudgeschäft konnte SAP nach eigener Einschätzung einen „eindrucksvollen Schlusspunkt“ für das Jahr setzen. In Nordamerika und Europa hätten sich die Auftragseingänge für die Cloud aber auch die Softwarelizenzerlöse besser entwickelt als vom Konzern erwartet. So blieb etwa die Nachfrage nach E-Commerce-Lösungen, der SAP Business Technology Plattform und Angeboten der amerikanischen Tochter Qualtrics hoch.

Auch das neue Angebot für die Neuausrichtung von Unternehmen sei bei Pilotkunden gut angekommen. Dagegen leidet die amerikanische Tochter Concur, die Kunden Reisekostenmanagement weiter unter den Corona-Einschränkungen.

Personalwechsel in schwierigen Zeiten

Wegen der Corona-Krise blickt das Unternehmen auf ein problematisches Jahr zurück. Im Frühjahr bekam der Konzern erste Auswirkungen der Covid-19-Pandemie zu spüren und ruderte in seinen Jahreszielen zurück. Dann musste auch noch Ko-Chefin Jennifer Morgan nach nur rund sechs Monaten aus der Unternehmensspitze weichen. Nachdem sich im dritten Quartal weitere Probleme abzeichneten, zog der nun allein amtierende Vorstandschef Christian Klein im Oktober bei den Jahreszielen nochmals die Handbremse. Wegen eines Strategieschwenks rund um das Cloud-Geschäft radierte Klein auch die mittelfristigen Prognosen für die Profitabilität aus und sorgte damit für einen starken Kursrutsch der Aktie.


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Gleichzeitig traten die Walldorfer im vergangenen Jahr stärker auf die Kostenbremse. Daher klingelt es nun in der Kasse. Der operative Barmittelfluss soll sich der Mitteilung zufolge im Gesamtjahr voraussichtlich im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln und bei rund sieben Milliarden Euro herauskommen. Das wäre rund eine Milliarde mehr als zuletzt anvisiert. Im Gesamtjahr lagen die Erlöse mit 27,34 Milliarden Euro um ein Prozent unter dem Vorjahr, das Betriebsergebnis erhöhte sich jedoch um ein Prozent auf 8,28 Milliarden Euro. Den kompletten Quartalsbericht legt SAP am 29. Januar vor.

Im Zuge der Eckdaten lieferte der Konzern auch den Ausblick für 2021 gleich mit. Das Management um Vorstandschef Klein hatte bereits im Oktober vor den Folgen der Pandemie gewarnt, die die Nachfrage bis mindestens zur Jahreshälfte belasten dürften. Nun rechnet der Konzern damit, dass die Erlöse mit dem Verkauf von Softwareabos und Lizenzen 2020 stagnieren oder maximal bis um währungsbereinigt zwei Prozent zulegen.

Darunter traut SAP der schnell wachsenden Software zur Nutzung über das Internet allerdings ein Wachstum von 13 bis 18 Prozent zu. Das bereinigte operative Ergebnis plant das Management mit 7,8 bis 8,2 Milliarden Euro ein — das wäre ein Rückgang zwischen einem und sechs Prozent. Mit den Werten liegt SAP wie von Experten erwartet.

Nach dem Oktober-Schock konnten die frischen Geschäftszahlen und der Ausblick die Anleger an der Börse versöhnen. Die SAP-Aktie legte gegen den allgemein schwächeren Trend im Dax zu und notierte an dessen Spitze im frühen Handel zuletzt mit plus 1,90 Prozent bei 106,18 Euro. Das vierte Quartal und die vorläufigen Jahreszahlen seien besser als erwartet ausgefallen, so die erste Reaktion eines Händlers. Auch der Ausblick sollte positiv aufgenommen werden, auch wenn die Pandemie das Geschäftsjahr 2021 belasten werde. Der Händler nannte den Ausblick nun extrem konservativ.

Ende Oktober 2020 waren die SAP-Titel nach den reduzierten Jahres- und Mittelfristzielen um mehr als ein Fünftel abgestürzt. Zuletzt konnten sie sich aber wieder von diesem Schock erholen. Seit Mitte Dezember haben sie sich auch wieder über der 100-Euro-Marke etabliert. Der geplante Qualtrics-Börsengang gab dabei Auftrieb.

Einige positive Reaktionen

Auch einige Analysten, die nach dem Strategiewechsel reihenweise ihre Voten und Kursziele für das Papier gesenkt hatten, reagierten positiv. Insgesamt sollten die Resultate die Sorgen der Anleger mildern, dass SAP im Cloudgeschäft womöglich mehr Gegenwind spüre als die Konkurrenz, schrieb Analyst Andrew DeGasperi von der Berenberg Bank in einer Studie. Mit Blick auf Qualtrics seien die Managementäußerungen hinsichtlich einer zuletzt guten Nachfrage ein positives Signal mit Blick auf den geplanten Börsengang der amerikanischen Tochter.

UBS-Analyst Michael Briest hob vor allem den freien Barmittelfluss lobend hervor, der besser als vom Markt erwartet ausgefallen sei, schrieb er in einer am Freitag vorliegenden Ersteinschätzung. Der Ausblick auf das operative Ergebnis des Softwarekonzerns für 2021 liege um vier Prozent unter der Konsensschätzung.


Quellverweis — www.faz.net

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