Dax hat Rekordjagd Joe Biden zu verdanken

Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag seinen Rekordlauf fortgesetzt. Mühelos übersprang der Dax zum Handelsauftakt die Marke von 14 100 Punkten, nachdem er am Tag zuvor die 14.000-Punkte-Hürde überwunden hatte. Der deutsche Leitindex gewann im frühen Handel zuletzt 0,8 Prozent auf 14.083 Punkte. In der Spitze hat er am Freitagvormittag 14.132 Punkte erreicht. Mit einem Plus von knapp 3 Prozent für die gesamte Woche steuert der Dax auf einen starken Jahresauftakt zu.

Wie in den Vereinigten Staaten und Asien stützen vor allem die Hoffnung auf noch umfangreichere Konjunkturhilfen in den Vereinigten Staaten sowie die globalen Corona-Impfkampagnen. Erfreuliche Daten aus der heimischen Industrie trugen ebenfalls zur positiven Stimmung bei. Nach starken Auftragseingängen im November fielen nun auch die Daten zur Industrieproduktion besser als von Analysten erwartet aus. „Die Anleger sind wie im Rausch», sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Sollte sich der erwartete Wachstumsschub aber nicht bald einstellen, müsse mit einem Rücksetzer gerechnet werden.

„Zeitnah neue Hilfspakete“

Hauptmotor der aktuellen Rally sind weiterhin die Spekulationen auf zusätzliche staatliche Konjunkturhilfen in den Vereinigten Staaten nach dem Sieg der Demokraten bei den Senatswahlen, der dem designierten Präsidenten Joe Biden zu einer Mehrheit in beiden Kongresskammern verhilft. Damit kann er sein wirtschaftspolitisches Programm schneller durchsetzen, weil er keine Kompromisse mit den Republikanern schließen muss. Der Sturm auf das Kapitol durch Anhänger des scheidenden Präsidenten Donald Trump hatte auf die Börsen fast keine Auswirkung.

„Die Börsen bleiben weltweit in Rekordlaune. Die Wall Street kennt nach dem Durchmarsch der Demokraten kein Halten mehr“, konstatierte Marktanalyst Milan Cutkovic von Axi. Die Anleger erwarteten schnell weitere Maßnahmen für die angeschlagene amerikanische Wirtschaft, da die Konjunkturerholung wegen steigender Corona-Zahlen und schärferen Restriktionen an Schwung verliere. „Umso wichtiger ist es, dass jetzt zeitnah neue Hilfspakete folgen“, sagte Cutkovic.

„Der schwache Dollar hat dazu beigetragen, die amerikanischen Aktien nach oben zu treiben“, sagte Geir Lode, Chefaktienstratege des Vermögensverwalters Federated Hermes. Banken, Energie und Bergbauunternehmen führten hier den Weg bislang an. Mit den Wahlergebnissen vom Mittwoch in Georgia, die auf einen demokratischen Senat hindeuten, mussten Technologie-Titel einen Rückschlag hinnehmen, da sich die Anleger über Bidens potenzielle Pläne für strengere Kartellvorschriften und höhere Steuern für den Sektor Sorgen machten, erwartet Lode.

Im Gegensatz dazu stiegen kleine und mittelgroße Aktien, die eher wirtschaftssensible Sektoren wie Finanzwerte und das produzierende Gewerbe umfassten, in der Hoffnung, dass die Demokraten eine neue Welle von Konjunktur- und Infrastrukturausgaben auslösen könnten, was das Wirtschaftswachstum und die Inflation ankurbeln würde, fügt der Stratege hinzu.

Je höher aber die Börsen steigen, umso lauter werden auch die warnenden Stimmen. Befürchtungen über eine neue Blase an den Aktienmärkten werden wach. Marktstratege Albert Edwards von der französischen Bank Société Générale etwa hob hervor, dass die Rally stark auf der Hoffnung vieler Investoren beruhe, die amerikanische Notenbank werde im Zweifel einschreiten, um einen Crash zu verhindern. Die Billiggeldflut der Notenbanken treibt die Börsen schon lange mit an. Problemtisch kann das werden, falls die Inflation plötzlich anziehen sollte. Steigende Zinsen dürften die Aktienmärkte rasch unter Druck bringen.


Quellverweis — www.faz.net

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