Demokratischer Sieg treibt Aktienkurse

Ungeachtet der Unruhen vor und im Kapitol in Washington, die in der Nacht auch die Wall Street nicht kalt gelassen hatten, verzeichnet der deutsche Aktienmarkt Rekordstände.

Der Standardwerteindex Dax zeigt sich mit einem Plus von 0,4 Prozent gut behauptet und kletterte bis auf 13.976,54 Punkte. Auch der Terminhandel auf den S&P-500-Index deutet eine Erholung der Wall Street an, auch wenn diese nicht an die Höchstkurse des Vortaages heranreicht.

Die Aussicht auf einen Sieg der Demokraten im Rennen um die Senatssitze für den Bundesstaat Georgia und die damit verbundene Erwartung weiterer Hilfen für die gebeutelte Wirtschaft in der Corona-Pandemie wirkt an den Börsen unverändert als Treiber der Aktienkäufe. Denn mit einem Sieg im Senatsrennen könnten die Demokraten um den künftigen Präsidenten Joe Biden erst einmal durchregieren. Dies wird in Deutschland wesentlich positiver gesehen als in Amerika.

Dort hatte zwar der Dow-Jones-Index 1,4 Prozent im Plus erstmals in seiner Historie über die Marke von 31 000 Punkten geschlossen. Doch die von Trump-Anhängern angezettelte Aufruhr in Washington und die Unterbrechung der Kongresssitzung zur Bestätigung des Wahlergebnisses hatten den wesentlich wichtigeren S&P-500-Index von einem Rekordhoch von 3783 Punkten getrieben. wieder auf 3748 Punkten zurückgehen lassen.

Belastend wirkten sich dabei die Technologiewerte aus. So verloren etwa Nvidia 6 oder Apple 4 Prozent. Auch der Technologiewerte-Index Nasdaq-100, der Anfangsverluste zunächst wett gemacht hatte, schloss 1,4 Prozent im Minus mit 12.623 Zählern. Besonders stark unter Druck standen dabei allerdings Aktien chinesischer Konzerne. JD.com verloren 7,7 und Baidu 4,7 Prozent, nachdem die New Yorker Börse nun doch, drei chinesische Telekomunternehmen vom Börsenhandel ausschließen will.

Anleger gehen davon aus, dass die Technologie-Konzerne von einer demokratischen Regierung eher negativ gesehen werden. dabei spielen vor allem wettbewerbspolitische Erwägungen eine Rolle. Solar-Aktien wie Enphase, deren Kurs um 12 Prozent stieg, waren dagegen gefragt. Das gilt auch für Aktien von Waffenproduzenten, deren Kurse immer steigen, wenn Anleger eine Diskussion um schärfere Waffengesetze bevorstehen sehen. Smith & Wesson gewannen 18,4 Prozent, Sturm Ruger 12 Prozent.

Smith & Wesson 1 Woche Nasdaq

Die Kontrolle über den Senat dürfte den Demokraten eine gute Basis für die Umsetzung ihres Gesetzgebungsprogramms geben, schreibt Paul O’Connor, Leiter der Abteilung Multi-Asset bei Janus Henderson. Kurzfristig würden sich die Finanzmärkte an weiteren geplanten Konjunkturprogrammen in den Vereinigten Staaten ausrichten und langfristig an Steuererhöhungen. Neben der Fiskalpolitik wird sich die Aufmerksamkeit der Anleger auch auf andere Bereiche der politischen Agenda der Demokraten verlagern, wie Infrastrukturausgaben, Mindestlohnerhöhungen und stärkere regulatorische Maßnahmen bei zahlreichen Schlüsselindustrien.


Quellverweis — www.faz.net

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