Der schwache Dollar treibt die Preise

Die Ölpreise zeigen sich am Mittwoch nach dem deutlichen Anstieg vom Vortag gut behauptet. Entscheidender Faktor ist der Entschluss des Verbunds der wichtigsten Ölförderstaaten Opec+, die Förderung in den Monaten Februar und März insgesamt zu reduzieren. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent kostete am Morgen 54 Dollar. Das sind  40 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 13 Cent auf 50,06 Dollar. Damit rangieren die Ölpreise in der Nähe ihrer höchsten Stände seit dem schweren Einbruch während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020.

Die Opec+ will die Ölproduktion in den kommenden beiden Monaten zu reduzieren. Die Hauptlast trägt der Ölgigant Saudi-Arabien, während der zweite große Förderer Russland seine Produktion sogar leicht ausweiten darf. Die Entscheidung dürfte Folge der angespannten Corona-Lage in vielen Ländern sein, die auf der Rohölnachfrage lastet. Der Entschluss kam nach einer längeren Debatte der Länder zustande, die sich abermals zunächst nicht einigen konnten. Wie schon öfter zeigte sich letztlich Saudi-Arabien bereit, die Förderung deutlich zu reduzieren. Der Schritt war offenbar nicht mit den anderen Staaten abgesprochen. Russlands Vizeregierungschef Alexander Nowak sprach von einem „Neujahrsgeschenk“.

Auch der Goldpreis zeigt sich gut behauptet und steht mit zuletzt 1948 Dollar in der Nähe seines Zwei-Monats-Hochs. Auch andere Rohstoffpreise steigen. Kupfer ist mit 8002 Dollar je Tonne so teuer wie zuletzt im Februar 2013 und auch Zink oder Aluminium steuern auf neue Höchststände zu.

Auch wenn die chinesisches Konjunktur ein kurzfristig treibender Faktor ist, so erfahren die Rohstoffpreise nicht zuletzt von einem schwachen Dollar Unterstützung . Der Dollar-Index als Verhältnis der amerikanischen Währungen zu den wichtigsten anderen Währungen der Welt steuert seit März kontinuierlich auf ein mehrjähriges Tief zu. Mit einem Stand von zuletzt 89,3 Punkten ist er weniger als 0,8 Punkte von seinem Sechs-Jahres-Tief aus dem Jahresbeginn 2018 entfernt. Für den Euro wurden zuletzt 1,2327 Dollar bezahlt, so viel wie zuletzt im April 2018. Das Sechs-Jahres-Hoch der Gemeinschaftswährung kommt mit 1,2492 Dollar langsam in Reichweite.

Hauptthema am Devisenmarkt ist der Ausgang der Stichwahlen zum amerikanischen Senat im Staat Georgia. Vom Ausgang hängt ab, ob die Republikaner ihre Senatsmehrheit behalten. Sollten beide Sitze an die Demokraten fallen, müsste der designierte Präsident Joe Biden mit weniger Widerstand im Senat rechnen. Er könnte damit seine politische Agenda besser umsetzen. Derzeit sieht es dafür günstig aus.

Steigende Realzinsen können Rohstoffanlagen derzeit noch wenig anhaben. Obwohl die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihe seit Wochenbeginn deutlich von 0,91 auf 1,002 Prozent stieg und damit erstmals seit März wieder oberhalb von 1 Prozent liegt, ist das Zinsniveau weiter niedrig und wird es angesichts der Änderung des Inflationsziels der amerikanischen Notenbank von einem Punktziel zu einem Durchschnittsziel auch länger bleiben. Zu Jahresbeginn lag die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihe noch bei rund 1,8 Prozent.

Am amerikanischen Rentenmarkt wird einer demokratischen Regierung mit einer Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses nun aber eine größere Wahrscheinlichkeit eingeräumt. Dies könne eine steilere Zinskurve bewirken – also dass die langfristigen Zinsen stärker stiegen als die kurzfristigen – und den Dollar schwächen, weil die Haushaltslage angesichts möglicher höherer Staatsausgaben gemäß des demokratischen Programms als nicht tragbar betrachtet werde, schrieb Sebastien Galy, leitender Makrostratege von ist at Nordea Investment.

Die inflationsindexierten Anleihen preisen mittlerweile auf zehn-Jahres-Sicht eine Inflationsrate von mehr als 2 Prozent ein, das höchste Niveau seit November 2018. Das würde auch dem Goldpreis zugutekommen, sagt Fahad Tariq, Analyst der Credit Suisse laut der Nachrichtenagentur Bloomberg. Dieser hat zuletzt aber vor allem von der verschlechterten Lage in Bezug auf die Corona-Pandemie profitiert, meint Suki Cooper, Edelmetallanalystin der Standard Chartered Bank. Niedrige Zinsen, eine lockere Geldpolitik und hohe Staatsausgaben würden diesen auch weiter stützen, während der Dollar auch über 2021 schwach bleiben werde. Dafür spricht auch die langfristige Zyklik der amerikanischen Währung, die von 2014 bis 2020 eine sechsjährige starke Phase nach einer Schwächeperiode in den zwölf Jahren davor hatte.

Auch Bitcoin dürfte von diesen Faktoren profitieren. Der Kurs der Digitalwährung stieg am Mittwoch erstmals auf mehr als 35.000 Dollar. Auf der Handelsplattform Bitstamp wurde ein Höchststand von 35 879 Dollar markiert. Da Bitcoin den Nimbus einer alternativen, „besseren“ Währung hat, spricht dies dafür, dass eine Schwäche des Dollar, niedrige Zinsen und höhere Staatsausgaben auch deren Höhenflug stützen. Da der Markt wesentlich enger und kaum reguliert ist führt dies zu einem größeren Ausmaß der Spekulation.


Quellverweis — www.faz.net

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