Osteuropäer sparen in der Krise mehr

Die Einkommen in den Staaten Mittelosteuropas sind deutlich niedriger als im Westen. Doch heißt das nicht, dass die Einwohner dort in der Krise nicht sparten. Im Gegenteil. Die Sparneigung ist gestiegen, wenn auch nicht so stark wie in Deutschland, wo die Leute nach Schätzungen der DZ-Bank dieses Jahr 16 Prozent des verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante legen. In den beiden Vorjahren waren es laut Statistischem Bundesamt jeweils 10,9 Prozent.

Vor allem die Tschechen und Serben legen dieses Jahr mehr Geld für mehr Vorsorge im Alter und für auf die Zeit nach der Corona-Krise verschobene Anschaffungen beiseite. Im Monatsschnitt waren es 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie für die in Mittelosteuropa führende Wiener Bank Erste Group.

Anderswo steigt die durchschnittliche Sparleistung auch, aber nicht so stark: 6 Prozent waren es in Rumänien, 3 Prozent in Ungarn, 2 Prozent in der Slowakei und in Kroatien. Absolut und in Euro gerechnet zeigen sich Slowaken mit 113 Euro sowie die Tschechen mit 109 Euro im Monat als die fleißigsten Sparer, am wenigsten sparen konnten Ungarn und Kroaten mit 63 Euro im Monat.

Hoher Anstieg der Sparquote

Auffällig ist der hohe Anstieg der Sparquoten in den vergangenen Jahren. So legen Tschechen heute 43 Prozent mehr Kronen als vor 5 Jahren zurück, in Ungarn ist es ein Drittel mehr als 2015. Am unteren Ende steht Kroatien mit einem Plus von 5 Prozent. Die große Mehrheit der Tschechen, Slowaken, Ungarn, Kroaten, Serben und Rumänen hält regelmäßiges Sparen für „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“. Das sagten 86 Prozent der Slowaken und immerhin zwei Drittel der Serben, was der niedrigste Wert ist.

Zur Wahrheit hinter den Zahlen gehört aber auch, dass der Anteil derjenigen wächst, die nach eigener Auskunft weniger sparen können als früher. Mehr Menschen gaben an, ihre Finanzlage habe sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. In Rumänien konnten 38 Prozent der Befragten nichts beiseitelegen. Als Hauptgrund wurden die schneller als die Einkommen steigenden Lebenshaltungskosten genannt, aber auch die wegen der Corona-Krise sinkenden Einkommen. Viele klagen daher, nicht genug sparen zu können. In Ungarn sagt das fast jeder Zweite.

Wer sparen kann, scheut das Risiko und setzt auf klassische Anlagen wie Sparbücher, Bausparen und Lebensversicherungen. Die Sparer in Ostmitteleuropa seien sehr risikoavers, heißt es in der Studie der Bank. Entsprechend zurückhaltend falle ihre Haltung gegenüber Aktien, Wertpapieren, Anleihen und Fonds aus. Nur in Rumänien überwiege der relative Anteil der Befragten mit einer positiven Meinung zu Aktien und Anleihen. Die Bevölkerung nutze „trotz Ultraniedrigzinsumfeld eher einfache Sparprodukte“, analysiert der Vorstandsvorsitzende der Erste Group, Bernd Spalt. Die Bank müsse sich darauf einstellen und den Kunden eine Beratung bieten, die auf ihre individuelle Lage und auf ihre Lebensziele zugeschnitten sei.


Quellverweis — www.faz.net

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