Dax geht kurz vor Rekordhoch die Puste aus

Der auf Umfragen unter Anlegern am deutschen Aktienmarkt basierende Stimmungsindex Sentix hat es schon am Wochenende angedeutet: „Jetzt kommen sie auf die Agenda, die Gewinnmitnahmen!“, hatten die beiden Sentix-Betreiber Manfred Hübner und Patrick Hussy geschrieben. Sie hatten unter strategischen Aktienkäufern „Vorboten für anstehende Abverkäufe“ ausgemacht und gleichzeitig eine nach „oben schießende“ Stimmung unter kurzfristiger agierenden Spekulanten ausgemacht. Damit sei eine „ungünstige Ausgangslage für Aktien in den nächsten Handelswochen“ entstanden. „Die Weihnachtsrally 2020 dürfte damit beendet sein, schlussfolgerten sie aus dem Sentix.

Zumindest für den Wochenbeginn erweist sich der Sentix als gute Prognose. Nur einen Katzensprung von 1,2 Prozent fehlten dem Dax am Freitag, um sein Allzeithoch von 13.795 Punkten aus dem Februar zu übertreffen. Doch von diesem Rekord hat sich der Dax am Montag zunächst entfernt. Nachdem der deutsche Aktienindex am Freitag mit 13.630 Punkten geschlossen hatte, gab er am Montag zeitweise mehr als 2 Prozent ab.

Vom Tief von 13.320 Punkten, das der Dax kurz nach Handelsbeginn am Montag erreichte, erholte sich der Index zunächst nur leicht bis auf 13.370 Punkte, ein Tagesminus von 1,9 Prozent.

Lufthansa verliert heftig

Ein Anlass zum Aktienverkaufen lieferten den Anlegern Nachrichten aus Großbritannien. Dort ist eine gefährliche Mutation des Coronavirus aufgetaucht, die deutlich ansteckender sein soll als die bisherige Variante. Die deshalb von den Politikern verhängten Reisebeschränkungen, etwa die weitgehende Einstellung des Luft-, Schiff- und Bahnverkehrs zwischen EU und Großbritannien, machte Anlegern Sorgen, weil sie die Wirtschaftsleistung beeinträchtigen. Wenig überraschend war die Aktie der Deutschen Lufthansa mit Kursverlusten von mehr als 9 Prozent im M-Dax größter Verlierer.

Außerdem ist ein Brexit-Handelspakt zwischen EU und Großbritannien nach wie vor nicht in Sicht. Mit Achselzucken nehmen dagegen die meisten Anleger das neue 900 Milliarden Dollar schwere Konjunkturpaket in den Vereinigten Staaten zur Kenntnis, das nach langen Verhandlungen endlich die Zustimmung im Senat und Repräsentantenhaus finden sollte. Zwar seien weitere Corona-Hilfen gut für die Wirtschaft, doch am Aktienmarkt weitgehend „eingepreist“, hieß es.

Gleichwohl bleibt das Dax-Allzeithoch für die kommenden Tage noch in Reichweite. Die Aktienkurse treibt mittelfristig die expansive Geld- und Fiskalpolitik, die sich in der Corona-Krise in noch niedrigeren Zinsen und staatlichen Hilfen für geschlossene Betriebe niederschlägt. Außerdem haben viele Menschen, die nicht von Kurzarbeit und anderen Einschränkungen betroffen sind, in den vergangenen Monaten aus Unsicherheit viel angespart.

Starker Euro belastet

Dieses Geld weckt unter den Anlegern die Phantasie, dass die riesige Summe von 100 Milliarden Euro, die allein von deutschen Haushalten zurück gelegt worden ist, im kommenden Jahr wieder in den Konsum fließen. Davon könnten gerade Branchen, die während der Corona-Pandemie besonders gelitten haben wie die Reisebranche, profitieren. Die größte Stütze für die Weltwirtschaft geht allerdings derzeit von der kräftigen Erholung in Asien aus. Die chinesischen Exporte etwa wuchsen in diesem November im Vergleich zum November 2019 um deutliche 21 Prozent.

Die deutschen Aktienkurse bremst dagegen der starke Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung ist in der vergangenen Woche auf 1,227 Dollar gestiegen, den höchsten Kurs seit Sommer 2018. Damit verschlechtern sich die Absatzchancen europäischer Unternehmen auf den Weltmärkten. Am Montagmorgen kostete ein Euro 1,218 Dollar.


Quellverweis — www.faz.net

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