Das gewisse Prickeln im Aktiendepot

Der Plan war am Anfang noch recht einfach: Es sollte ein (Teil-)Lockdown oder Lockdown „light“ verhängt werden, um die Corona-Infektionszahlen so weit nach unten zu bringen, um wenigstens ein halbwegs normales Weihnachtsfest und Silvester zu ermöglichen. Wie wir inzwischen wissen, ist aus diesem Vorhaben nichts geworden. Stattdessen gilt seit dem 16. Dezember ein deutschlandweiter deutlich verschärfter Lockdown. Zu Weihnachten werden die Regelungen zu den Versammlungsbeschränkungen etwas gelockert, Silvester fällt dagegen gewissermaßen ins Wasser. Keine guten Nachrichten für Unternehmen, deren Hauptgeschäft sich um die Feiertage dreht. Zu ihnen gehört auch die Schloss Wachenheim AG.

Schloss Wachenheim ist einer der bedeutendsten Hersteller von Schaumwein und Perlwein in der ganzen Welt. Weitere Sortimentsbereiche der Unternehmensgruppe sind Wein, entalkoholisierte Sparklings und Weine, Wermut, Cidre, Spirituosen sowie andere weinhaltige Getränke. Als Corona-Profiteur kann das Unternehmen nur bedingt bezeichnet werden – falls ein Anleger in der Annahme ist, dass die Menschen aus Pandemiefrust sich mit mehr Alkohol begnügten. Das ist nicht der Fall.

Solide Geschäftszahlen trotz Corona

Die Schloss Wachenheim AG verzeichnete im vergangenen Geschäftsjahr 2019/20 (Ende Juni) eine solide Umsatzentwicklung, auch wenn es zwischen den einzelnen Regionen große Unterschiede gab. Das Heimatgeschäft beispielsweise kompensierte das unbefriedigende Frankreich-Geschäft. Am Ende erzielte die Unternehmensgruppe Umsatzerlöse von insgesamt 338,2 Millionen Euro und damit auf dem Niveau des Vorjahres (337,2 Millionen Euro). Der Konzernjahresüberschuss lag derweil mit 13,0 Millionen Euro um rund 19 Prozent unter dem Niveau des vorangegangenen Geschäftsjahres (16,0 Millionen Euro).

Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg
:

Bild: Christoph Scherbaum

Das aktuelle Geschäftsjahr dürfte nicht weniger spannend werden als das vergangene. Im ersten Quartal, das Ende September endete, konnte zwar noch eine positive Entwicklung des Geschäftes in Deutschland corona-bedingte Schwächen in Frankreich und anderen wichtigen Märkten wettmachen. Während der Absatz mit rund 51 Millionen Flaschen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres lag, kletterten die Umsätze sogar leicht um 2,6 Prozent auf 82,1 Millionen Euro. Auf der Ergebnisseite kam Schloss Wachenheim der Umstand zugute, dass die Werbeausgaben im Vorjahresvergleich sanken.

Im zweiten Quartal (Ende Dezember) machten sich jedoch erneut Reisebeschränkungen, Veranstaltungsverbote, Kontaktbeschränkungen, Einschränkungen von Angeboten des Handels und von Dienstleistungen bis hin zu Ausgangssperren negativ bemerkbar. Besonders deutlich wurde dies bei den Kunden in der Hotellerie und Gastronomie. Diese sind in erster Linie von den aktuellen Schließungsanordnungen betroffen, so dass die Vorstandsetage der Schloss Wachenheim AG im zweiten Quartal 2020/21 in diesem Bereich spürbare Rückgänge erwartet. Aber auch für den weiteren Verlauf des laufenden Geschäftsjahres wird von dämpfenden Effekten durch die Corona-Krise ausgegangen.

Dennoch kann Schloss Wachenheim, und können damit auch seine Aktionäre, auf ein paar positive Corona-Effekte hoffen: Zum einen lässt sich Sekt und Wein sehr gut online bestellen. Darüber hinaus dürfte die Corona-Impfung auch hierzulande bald beginnen. Dies sorgt für die Aussicht auf ein Überwinden von COVID-19 und eine Rückkehr zur Normalität, in der künftig Feste wie Ostern 2021 wieder ausgelassen(er) gefeiert werden können.

Spannende Charttechnik

Das Gros der Analysten ist derzeit positiv auf die Sekt-Aktie eingestimmt. Es werden Kursziele von 19 Euro und höher genannt. Die Aktie selbst ist seitens der Charttechnik aktuell als spannend einzuordnen: Nachdem die Aktie im November 2017 noch ein 20-Jahreshoch bei 22,88 Euro markierte, ging es bis zum März dieses Jahres in den Sinkflug bis zu Kursen von 10,70 Euro. In der Spitze verlor der Kurs damit mehr als 50 Prozent. Es folgten eine Aufholbewegung bis zum Herbst in den Bereich der 16-Euro-Marke und dann bis Mitte Dezember ein erneuter Rückschlag auf zeitweise 14,10 Euro. Aktuell notiert die Aktie von Schloss Wachenheim im Bereich der 200-Tage-Linie und steht vor einer Richtungsentscheidung:

SCHLOSS WACHENHEIM AG O.N


— (—)

Tradegate
Lang & Schwarz
Xetra
Stuttgart
Frankfurt

Zur Detailansicht

Wird die 200-Tage-Linie zurückerobert, sind Kurse oberhalb von 16 Euro wieder möglich. Sollte sich dagegen die Abwärtsbewegung der vergangenen Wochen fortsetzen, liegen die nächsten Korrekturziele im Bereich der 12 Euro-Marke und auch das März-Tief von 10,70 könnte wieder in den Fokus geraten.

Günstige Bewertung und kontinuierliche Dividende

Letztlich ist die Charttechnik aber für einen langfristig orientierten Anleger nur ein Faktor von vielen, die für eine Position im Depot spricht. Aktuell wird die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2021 von etwas mehr als 13 bewertet. Dies erscheint auf den ersten Blick günstig zu sein – auch vor dem Hintergrund, dass Schloss Wachenheim im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres operativ nach Ansicht diverser Analysehäuser wieder an Profitabilität zulegen dürfte.

Ebenso ist das Traditionsunternehmen ein kontinuierlicher Dividendenzahler. Auch für das schwächere vergangene Geschäftsjahr ist eine Ausschüttung von 0,40 Euro pro Aktie geplant. Dies entspricht zwar einem Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem im Vorjahr – doch immerhin soll es eine Ausschüttung geben. Das ist für ein corona-beeinflusstes Geschäftsjahr alles andere als selbstverständlich. Die Aktie von Schloss Wachenheim ist daher wohl etwas für Nebenwerte-Fans, die unaufgeregt eine langfristige Aktien-Position im Depot haben wollen, die auf Sicht der vergangenen zehn Jahre eine jährliche Kursentwicklung von im Mittel 5,5 Prozent hatte.


Quellverweis — www.faz.net

Releated

Privatanleger gehen immer mehr Risiken ein

Klein- und Privatanleger handeln immer risikoreicher, wie der Ansturm auf die Gamestop-Aktie Ende Januar zeigte. Die BIZ warnt vor Kreditverlusten in Billionenhöhe und erinnert sich dunkel an die Dotcom-Blase. Den Turbulenzen um die Aktie des Videospielehändlers Gamestop muss auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) Tribut zollen. In ihrem am Montag veröffentlichten Quartalsbericht warnt die […]

Dax pirscht sich wieder an die 14.000 Punkte-Marke daran

Der deutsche Aktienmarkt ist am Montag mit steigenden Kursen in die neue Woche gestartet. Nachdem der Dax in der Vorwoche 0,7 Prozent verloren hatte, sprang er am Montag nach zwei Stunden Handel um 1,2 Prozent nach oben auf 13.965 Punkte. Besonders gefragt sind im Dax Pharma- und Medizin-Werte wie Fresenius Medical Care und Bayer mit Kursgewinnen […]