Selbstfahrende Autos : Uber steigt aus Roboterwagen-Entwicklung aus

Selbstfahrende Autos
Uber steigt aus Roboterwagen-Entwicklung aus

Das undatierte Handout-Foto zeigt ein selbstfahrendes Uber-Fahrzeug. Foto: Uber/dpa

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Einst sah Uber eigene Technik für selbstfahrende Autos als Schlüssel für das Überleben in der Zukunft. Jetzt ist der Traum ausgeträumt: Nachdem Uber Hunderte Millionen Dollar dafür ausgab, wird das Projekt von einem Start-up übernommen.

Der Fahrdienst-Vermittler Uber gibt die kostspielige Entwicklung eigener Technologie für selbstfahrende Autos auf. Die entsprechende Abteilung wird vom Roboterwagen-Start-up Aurora übernommen, wie die Unternehmen mitteilten.

Uber investiert zudem 400 Millionen Dollar in Aurora, das als strategischer Partner Zugang zur Uber-Plattform bekommen soll. Die Entwicklung eigener Technologie zum autonomen Fahren hat Uber in den vergangenen Jahren Hunderte Millionen Dollar gekostet. Das Projekt war vom Mitgründer und langjährigen Chef Travis Kalanick forciert worden. Er sah darin die Möglichkeit, Kosten zu sparen, wenn Computer Menschen ersetzen.

Die Fahrer seien der größte Kostenpunkt, bekannte Kalanick einst etwas zu freimütig bei einem Auftritt — was ihn bei den Männer und Frauen am Steuer der Uber-Autos nicht populärer machte. Er war allerdings überzeugt, dass in Zukunft der Wettbewerb zwischen Robotaxi-Diensten laufen würde und Uber nur mit hauseigener Technologie sein Schicksal in der Hand behalten kann.

Kalanick holte dafür als Projektleiter Anthony Levandowski an Bord, einen prominenten Entwickler aus dem Roboterwagen-Programm von Google. Der Internet-Riese verklagte Uber daraufhin mit dem Vorwurf, Levandowski habe in großem Stil vertrauliche Informationen mitgehen lassen. In dem langen Rechtsstreit wurde Levandowski gefeuert und Uber musste sich verpflichten, keine Google-Technik zu nutzen.

Auf das Konto von Ubers Programm geht auch der bisher einzige bekannte tödliche Unfall mit einem Roboterwagen. Im März 2018 erfasste eines der Uber-Fahrzeuge bei einer nächtlichen Testfahrt in Tempe im US-Bundesstaat Arizona eine Frau, die die mehrspurige Fahrbahn überquerte und dabei ein Fahrrad neben sich schob. Laut Unfallermittlern konnte die Uber-Software zunächst nicht einordnen, was sie vor sich sah und reagierte spät. Zudem schaute die Sicherheitsfahrerin am Steuer auf ihr Smartphone und Uber hatte den Bremsassistenten des umgebauten Serienfahrzeugs deaktiviert.

Der seit August 2017 amtierende Uber-Chef Dara Khosrowshahi ergriff bereits diverse Sparmaßnahmen, die Roboterwagen-Entwicklung verschonte er bisher. Die Corona-Pandemie brachte jedoch Quartal für Quartal neue Belastungen. Im vergangenen Quartal gab es einen Verlust von 1,1 Milliarden Dollar, der Umsatz fiel um 18 Prozent. Bereits im November hatte das Technologieblog «Techcrunch» von Gesprächen zwischen Uber und Aurora berichtet.

Aktuell arbeiten Autokonzerne, Branchenzulieferer, zahlreiche Start-ups sowie Technologie-Schwergewichte wie die Google-Mutter Alphabet und Apple an Technologie zum autonomen Fahren. In der Branche wird mit Kooperation und einer Bereinigung des Marktes gerechnet. Schon vor dem Ausstieg von Uber gab es Schritte in diese Richtung wie die Übernahme des Start-ups Zoox durch Amazon.

Die Google-Schwesterfirma Waymo gilt als besonders weit bei der Entwicklung von Technologie zum autonomen Fahren. Neben dem Aufbau eines eigenen Robotaxi-Dienstes will Waymo auch Autobauer wie etwa Fiat Chrysler mit Technik zum autonomen Fahren versorgen.

Aurora wurde von eine Art Dream-Team der Branche gegründet: Chris Urmson war Chefentwickler bei Googles Roboterwagen-Projekt, Sterling Anderson verantwortete das «Autopilot»-Fahrassistenzsystem bei Tesla. In das Start-up investierte unter anderem Amazon. Zum Konzept von Urmson und Anderson gehört, mit relativ wenig Fahrzeugen auszukommen, während Uber eine große Testwagen-Flotte aufbaute. Nachdem es Aurora nicht gelang, Volkswagen und Fiat Chrysler als Partner zu gewinnen, setzte die Firma zuletzt stärker auf Technik für selbstfahrende Lastwagen.

dpa

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Quellverweis — www.stern.de

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